Hochbegabung bei SuS frühzeitig erkennen

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Im Schulalltag fehlt es teilweise an der richtigen Sensibilisierung, um eine potentielle Hochbegabung frühzeitig zu erkennen. Problem ist nach wie vor, dass eine Hochbegabung aufgrund der offensichtlichen Anzeichen paradoxerweise leicht mit einer Lernbeeinträchtigung verwechselt werden kann.

Schätzungsweise sind rund zwei Prozent der Weltbevölkerung hochbegabt. Dabei haben wahrscheinlich verschiedene genetische Prädispositionen und spätere Umweltfaktoren einen Einfluss auf die Ausbildung der Intelligenz beim Menschen. Eine genetische Veranlagung bedingt jedoch nicht unbedingt eine Herausbildung einer solchen Hochbegabung, da zu dieser begünstigende Umwelteinflüsse hinzutreten müssen. Wie genau eine Hochbegabung beim Menschen entsteht, ist nach wie vor nicht im Detail geklärt.

Der durchschnittliche Intelligenzquotient der Menschen liegt zwischen 90 und 115. Weist eine Person einen Intelligenzquotient von über 115 auf, spricht man von einem überdurchschnittlich intelligenten Menschen. Erst bei einem Intelligenzquotienten von über 130 IQ-Punkten liegt eine Hochbegabung vor, welche bei Kindern einer individuellen Förderung bedarf. Wichtig ist, dass sich die Hochbegabung bei fehlender Förderung im Verlauf des Lebens zurückbilden kann.

Konkrete Anzeichen für eine Hochbegabung?

Wie bereits erwähnt, wird eine Hochbegabung auf den ersten Blick häufig mit einer Lernbeeinträchtigung verwechselt. Die Anzeichen unterscheiden sich deutlich je nach Altersstufe der SuS, was eine Identifizierung einer hochbegabten Schülerin oder eines hochbegabten Schülers häufig erschwert.

Eine Hochbegabung wird häufiger bei männlichen als bei weiblichen SuS festgestellt. Diese Tatsache hat jedoch nichts mit einer geschlechtsspezifischen Häufung zu tun. Viel mehr werden gute Leistungen bei Mädchen schlicht und ergreifend als Fleiß verstanden, bei männlichen Schülern spricht man schneller von einer Hochbegabung.

Ein konkretes Anzeichen ist das vermeintliche Versagen bei den einfachsten Aufgaben. Vor allem in der Grundschule ist eine von Langeweile hervorgerufene Verweigerung von Aufgaben wie Ausmalen, Grundrechenarten, und Wiederholungen von bereits Gelerntem zu beobachten.

Vielfach wird von ErzieherInnen und Lehrkräften ein Überspringen von ganzen Entwicklungsstufen beobachtet. Schon sehr früh erlernen die Kinder das Sprechen, der Wortschatz erinnert schon an den eines Erwachsenen. Kinder interessieren sich mehr für einen Austausch mit älteren Kindern und Erwachsenen, als mit Gleichaltrigen. Dies erweckt häufig den Eindruck einer fehlenden sozialen Kompetenz und wird meist leider nicht als Zeichen einer Hochbegabung interpretiert.

Mit der vermeintlich beobachteten, fehlenden sozialen Kompetenz geht auch eine Tendenz zur Introvertiertheit einher. SuS mit einer potentiellen Hochbegabung begeben sich mehr in eine passive und beobachtende Rolle, als dass sie einen lebhaften und extrovertierten Part im Klassenverband einnehmen.

Hochbegabte SuS: Schwierigkeiten im Klassenverband

Eine individuelle Förderung von SuS mit einer hohen Begabung ist allein deshalb schon wichtig, da diese in einer normalen Klasse schnell untergehen können. Dies wird von Lehrkräften teilweise als Zurückgezogenheit interpretiert, welche jedoch aus einer Unfähigkeit sich dem Altersdurchschnitt zu fügen entsteht. Diese Kinder sind gelangweilt und ihren MitschülerInnen deutlich voraus.

Da der Leistungsstandard weit über dem der anderen Kinder liegt, sind sie,unterfordert, reagieren oft mit Lustlosigkeit und verweigern sich den gestellten Aufgaben der Lehrkraft. Diese als Unfähigkeit interpretierte Unterforderung, ist eines der markantesten Merkmale einer Hochbegabung. Meist sprechen Lehrkräfte davon, dass diese SuS schlechte Leistungen erzielen, obwohl sie den Lernstoff im Unterricht zu verstehen scheinen.

Sie werden von der Klassengemeinschaft manchmal nicht akzeptiert, da sie als “anders” wahrgenommen werden. Sie interessieren sich mehr für den Lernstoff, als ihre Klassenkameraden und gelten daher bei den anderen SuS als “Streber”. Eine Eingliederung in Begabtenklassen kann hier Abhilfe schaffen.

Ein professioneller Intelligenztest schafft Klarheit

Es ist offensichtlich, dass die Anzeichen einer Hochbegabung sehr unterschiedlich und teils widersprüchlich sind. Letztlich kann nur ein professioneller Intelligenztest Klarheit schaffen. Dieser muss dem Alter entsprechend sein. Handelt es sich bei dem SuS um ein Kind mit Migrationshintergrund und schlechten Deutschkenntnissen, muss der Test in der jeweiligen Muttersprache durchgeführt werden. Mit einem Intelligenztest kann eine Hochbegabung bewiesen und ein eine spezielle Förderung eingeleitet werden.

Ob diese in einem angepassten Lehrplan, einer gesonderten Förderung in einem speziellen Klassenverband für begabte Kinder oder einem Wechsel der Schule Ausdruck findet, muss letztlich gemeinsam mit anderen pädagogischen Kräften, den Eltern und natürlich dem hochbegabten Kind entschieden werden.

Ausführliche Informationen zu der Thematik findet ihr auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für hochbegabte Kinder (DGhK) sowie des Begabtenzentrums.

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