Mobbing in der Schule

Evgenia Danilevic Veröffentlicht am
9. Mobbing in der Schule

Ein Schüler der sechsten Klasse gibt einem Mädchen, das er mag, einen sehr persönlichen Brief. Darin erklärt er ihr seine Gefühle und ersucht um eine Antwort. Es ist nicht nur unter Kindern eine Handlung, die viel Mut und Stärke erfordert. Das Mädchen allerdings zeigt diesen Brief allen anderen Kindern und macht sich zusammen mit den anderen darüber lustig, denn der Junge ist im Gegensatz zum Mädchen nicht besonders beliebt in der Klasse. Er wird ständig von den anderen gehänselt, mit beleidigenden Spitznamen gerufen und von vielen Mitschülern einfach ignoriert. Sie wollen nichts mit ihm zu tun haben. Leider können bei dieser Beschreibung die meisten von uns an jemanden aus ihrer Schulzeit denken, dem es ähnlich ergangen ist. Laut einer Studie der Universität Leuphana ist sogar die Hälfte der Kinder im Laufe ihrer Schulzeit von Mobbing betroffen. Das liegt unter anderem daran, dass es als solches meist erst spät oder vielleicht gar nicht von Betreuungspersonen erkannt wird.

Außerdem ist es vor allem wichtig, Mobbingfälle generell zu vermeiden, denn einmal passiert, ist es für alle Betroffenen alles andere als leicht, mit der Situation umzugehen. Viele LehrerInnen sind sich daher auch unsicher, wie sie reagieren sollten, wenn sie in ihrer Klasse Mobbing beobachten. Mit einer kleinen Sammlung nützlicher Informationen zum Umgang mit Mobbing und weiterführenden Links möchte ich daher an dieser Stelle einen kleinen Überblick über das schwierige Thema verschaffen. 


Was ist Mobbing?

Wie erkenne ich, wenn Mobbing bei mir in der Schule stattfindet? Handelt es sich bei dem Verhalten der SchülerInnen um kleine Konflikte, die schnell gelöst sein können, oder kann man bereits von Mobbing sprechen? In dem oben skizzierten Fall handelt es sich definitiv um Mobbing. Mobbing kann überall vorkommen und häufig nur schwer für einen Außenstehenden erkennbar sein. Wenn Mobbing zum Beispiel überwiegend in der Pause, außerhalb des Klassenraums stattfindet, merken Betreuende häufig nicht, wenn eingegriffen werden sollte. Das Erkennen von kritischen Situationen erfordert daher viel Feingefühl, Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen. Ganz entscheidend ist es daher zu wissen, was Mobbing von anderen Konfliktsituationen unterscheidet.

1. Im Unterschied zu kleinen Konflikten besteht bei Mobbing ein eindeutiges Machtgefälle zwischen dem Gemobbten und den Mobbern.

2. Beim Mobbing handelt es sich um wiederkehrendes Verhalten, das regelmäßig ausgeübt wird.

3. An Mobbing sind zumeist mehrere Personen in unterschiedlichen Rollen beteiligt, auch wenn zunächst vielleicht nur ein Täter und ein Opfer ins Auge springen.

4. Mobbing kann unterschwellig passieren, da es sich sowohl um physische, aber auch um psychische und verbale Attacken handeln kann.

5. Der Gemobbte sucht die Schuld häufig bei sich und kann sich nicht aus eigener Kraft gegen die Attacken zur Wehr setzen.

6. Bei Mobbing versuchen die Täter auf Kosten anderer einen höheren sozialen Status zu erlangen.


Wie gehe ich damit um, dass ein Kind in meiner Klasse gemobbt wird? 

Mobbing wird häufig erst augenfällig, wenn die Situation bereits weit fortgeschritten ist und die Verhaltensmuster sich bereits verhärtet haben. Es ist daher wichtig, Mobbing frühzeitig zu erkennen und dagegen vorzugehen. 

Wenn Sie sehen, dass eine Schülerin oder ein Schüler in Ihrer Klasse Opfer des Mobbings geworden ist, sollten Sie so schnell wie möglich eingreifen. Dabei gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen, die sich in zwei Kategorien aufteilen lassen: direkte Gespräche mit den Beteiligten oder der sogenannte „No Blame Approach“, bei dem die ganze Klassengemeinschaft in die Lösung des Konflikts einbezogen wird. Der letztere Ansatz ist vor allem mit Hinblick auf weitere potentielle Mobbingsituationen und auf die Stärkung der Klassengemeinschaft und des sozialen Zusammenhalts in der Gruppe von Vorteil. Einzelne Gespräche können zwar dazu führen, dass das Mobbing kurzfristig beendet wird, erfordern aber auch enormes Feingefühl und viel Selbstreflexion seitens der Lehrperson. Außerdem kann es leicht passieren, dass die Schüler nach einiger Zeit zu ihrem Verhalten zurückkehren. Im besten Fall sollte die ganze Schule in einen durchdachten Anti-Mobbing-Ansatz einbezogen werden. Damit kann auch sichergestellt werden, dass Lehrerinnen und Lehrer gleich reagieren und mit dem Thema aufgeschlossen und aktiv umgehen.


Wie kann ich verhindern, dass es zu Mobbing kommt?

Noch wichtiger als der richtige Umgang mit Mobbing ist dessen Prävention. Wie bereits in dem oberen Absatz angedeutet, ist die allgemein in der Schule und in der Klasse herrschende Atmosphäre entscheidend für das Verhindern von Mobbing. Vor allem Kinder, die sich in irgendeiner Weise von anderen sichtlich unterscheiden, bieten zumeist ein leichtes Ziel für Mobber. Angefangen bei äußeren Merkmalen wie Haaren, Kleidung oder Größe, bis zu einer besonderen Art zu reden oder besonderem Interesse für den Unterricht – es gibt sehr viele Faktoren, die eine Person zu einem potentiellen Mobbing-Opfer machen machen können. Eine tolerante Atmosphäre, ein aktiver Umgang mit Unterschieden und das Schulen von Gemeinschaftlichkeit und sozialen Fähigkeiten sind daher Mittel, die zu weniger Mobbing führen können. Konkrete schulweite Trainings zu Konfliktlösung, Kommunikationsstärke und sozialem Verhalten können erste Mittel sein. Dabei müssen alle – also Lehrpersonen sowie Schüler – zusammen arbeiten und in einem Dialog die Inhalte für sich anpassen. Bei Mobbing geht es vor allem um Ausgrenzung aus einer Gruppe. Wenn sich jedoch alle als Teil der Gruppe wahrnehmen und andere als solche ebenfalls akzeptieren, sinkt die Wahrscheinlichkeit für Mobbing. 

An wen kann ich mich wenden, wenn ich mit der Situation überfordert fühle?

Sicherlich werden viele Lehrer und Lehrerinnen versuchen, mit Mobbing in der eigenen Klasse selbständig umzugehen. Vielleicht greifen sie auch auf eine der oben genannten Vorgehensweisen zurück. Allerdings fehlt einigen auch die nötige Ausbildung oder die Erfahrung im Umgang mit Mobbing in der Schule, in dem Fall ist professionelle Hilfe angebracht. Die Schuldirektion, Kollegen und Kolleginnen, oder auch Schulpsychologen und Streitschlichter können da eine Anlaufstelle sein. Falls es keine Schuleigenen spezialisierten Ansprechpartner gibt, können in der Übersicht der Beratungsstellen die wichtigen Kontaktdaten für jedes Bundesland gefunden werden. Auf der eigens eingerichteten Seite mobbingberatung.info finden sich außerdem wichtige Hinweise und Ratgeber zum Umgang mit Mobbing. Wer aktiv werden und sich stärker mit dem Thema auseinandersetzen möchte, kann sich auch bei der „Bundesarbeitsgemeinschaft Lehrer gegen Mobbing“ informieren. Und hier findet sich eine gute Übersicht zum Thema. Aber auch SchülerInnen sind sich des Themas durchaus bewusst und können auf dem Portal „Schüler gegen Mobbing“ mit vielen wichtigen Informationen und Hinweisen auf wichtige Kontaktstellen zur Lösung des Konflikts beitragen. 

Vor allem das gemeinsame Besprechen des Themas im Unterricht kann sowohl Schülern als auch Lehrern selbst für Mobbing sensibilisieren, dafür bietet die Bundeszentrale für Politische Bildung eine Umfangreiche Reihe an Materialien, die auch einen Fragebogen für die Schüler einschließt. Nicht zuletzt bietet auch meinUnterricht.de einige Material zum Thema Mobbing, die im Unterricht eingesetzt werden können.  

 

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