Cybermobbing – reaktive Maßnahmen und eine erste Orientierung

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Einer Studie von 2017 zufolge waren 13 % der SuS von Cybermobbing betroffen – eine traurige Zahl, welche noch nichts über die Anzahl der Opfer “gewöhnlichen Mobbings” aussagt. Wie kann man als LehrerIn damit umgehen, wenn man beobachtet, dass eine der SchülerInnen gemobbt wird?

Mobbing gehört zum traurigen Alltag einer jeden Lehrkraft, daher haben die meisten Lehrerinnen und Lehrer bereits bewährte Taktiken und Strategien entwickelt, um mit dem Problem umzugehen. Der Aufmerksamkeit vieler LehrerInnen entzieht sich jedoch, wenn SuS von ihren MitschülerInnen im Internet beleidigt, degradiert oder sich über sie lustig gemacht wird. Wir haben uns mit dem Cybermobbing auseinandergesetzt und liefern euch eine erste Orientierung.

Was ist Cybermobbing?

Vor allem die Zunahme bei der Nutzung mobiler Endgeräte unter Jugendlichen spielt in die ansteigende Entwicklung der Cybermobbing-Fälle mit rein. Ein weiterer Grund ist die noch unzureichende Auseinandersetzung mit der Medienkompetenz der SuS sowohl in der Schule als auch zu Hause. Mobbing spielte und spielt in der Schule leider nach wie vor eine Rolle, die Verschiebung dieses Phänomens ins Internet ist eine logische Konsequenz unserer Zeit.

 

Dass Mobbing zum Schulalltag gehört, bedeutet natürlich nicht, dass man sich als LehrerIn nicht mit diesem Problem auseinandersetzen sollte. Viel mehr gehört dies zu den Pflichten einer Lehrkraft. Was macht man also, wenn sich das allgemeine Problem des Mobbings ins Internet verschiebt?

Opfer bleiben häufig für sich

Viele Opfer des “analogen Mobbings” scheuen davor zurück, sich bei einer AnsprechpartnerIn Hilfe zu suchen. Dies ist bei Cybermobbing noch problematischer, da das Mobbingverhalten nicht direkt im Klassenraum oder schulischen Umfeld stattfindet. Die Gründe für das Zögern bei der Hilfesuche sind vielfältig.

 

Häufig befürchten Opfer eine Verschlechterung der Situation durch ein Eingreifen der Erwachsenen – manchmal ist diese sogar bei einer zögerlichen Öffnung gegenüber einer PädagogIn oder Erziehungsberechtigten tatsächlich eingetreten, oder aber die Reaktionen der Erwachsenen waren nicht besonders hilfreich. Häufig fordern Eltern der Mobbingopfer diese auf, die Situation “nicht so ernst” zu nehmen oder sich zu wehren. Eine solche Reaktion führt jedoch nicht selten dazu, dass Mobbingopfer sich noch mehr zurückziehen.

 

Ein weiterer, sehr gewichtiger Grund für den Rückzug ist jedoch ein Androhen von körperlicher oder weiterer psychischer Gewalt von Seiten der Täter. Dies führt zu einem extremen Gefühl des Ausgeliefertseins und einer Ohnmacht, welche nicht selten schwerwiegende psychische Auswirkungen auf die Opfer haben können.

 

Schwerwiegend ist vor allem die Scham, welche zusammen mit einem permanenten Druck präsent und prägend auf die emotionale Entwicklung der Opfer wirkt. Das perfide am Cybermobbing ist vor allem der Verlust privater Rückzugs- und Schutzräume.

Präventive und reaktive Maßnahmen bei Cybermobbing

Grundsätzlich ist es wichtig die Dynamiken unter den SuS zu beobachten. Da Cybermobbing in der Regel nicht im Klassenraum für die Lehrkraft ersichtlich stattfindet, ist ein besonders wachsames Auge gefragt. Weiterhin kann häufig eine Verknüpfung zwischen “analogem Mobbing” und Cybermobbing aufgebaut werden. Heutzutage werden SuS, die im Klassenraum gemobbt werden, nicht selten auch im Internet eingeschüchtert.

 

Sollte ein Fall von Mobbing beobachtbar sein, ist es wichtig ein direktes und vertrauliches Gespräch mit dem oder der Betroffenen zu suchen. Es sollte sich dabei um ein erkennbar offenes und emphatisches Gespräch handeln. Wichtig ist, dass sich die SuS verstanden fühlen, um eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Diese sollte genutzt werden, um die betroffene Schülerin oder den betroffenen Schüler einzubeziehen.

 

Als LehrerIn sollte man sich immer die ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen einholen, bevor man konkrete Maßnahmen einleitet. Nur so kann ein sicherer Umgang geschaffen werden. Wie bereits erwähnt, ist eine der häufigsten Befürchtungen, dass es durch die Thematisierung bei Eltern oder LehrerInnen zu einer Verschlechterung der Situation kommt. Dies sollte um jeden Preis vermieden werden.

 

Das Mobbing sollte nach Absprache gezielt mit den betroffenen Parteien besprochen werden. Weiterhin kann es für alle SuS gemeinsam in Form eines thematischen Projekts aufgearbeitet werden, welches die gesamte Klasse miteinbezieht. Präventive Maßnahmen können die Empathie unter den SuS steigern, für Mobbing und Cybermobbing im Speziellen sensibilisieren und so nicht nur den konkreten Fall beheben, sondern auch zukünftige Fälle vermeiden. Inspirationen und Materialien findet ihr natürlich unter anderem auf unserer Plattform.

Schulische Rahmenbedingungen müssen stimmen

Die gesamte Schule sollte Mobbing und Cybermobbing im Speziellen offen thematisieren und zu verstehen geben, dass es Ziel ist, einen sicheren und Mobbing freien Raum zu schaffen. Dafür können neben SchulpsychologInnen und SozialarbeiterInnen vor allem LehrerInnen als vertrauensvolle und offene GesprächspartnerInnen auftreten. Ein entsprechendes Leitbild in der Schulordnung kann ebenfalls als Zeichen gesetzt werden. Die Projektwoche eignet sich besonders gut als Format, um Mobbing und die Folgen aufzuarbeiten.

 

Neben einer engen Zusammenarbeit zwischen Eltern und den SuS, sind LehrerInnen jedoch nicht auf sich alleine gestellt. Zahlreiche Anlaufstellen wie Klicksafe, die Cybermobbing-Hilfe oder aber Opferhilfen wie der Weiße Ring haben neben Aufklärungsmaterialien auch Hilfestellungen für konkrete Fälle. Im schlimmsten Fall sollte natürlich auch die Unterstützung der Polizei in Anspruch genommen werden.

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