meinUnterricht Redaktion – Veröffentlicht am

Sicherer Umgang mit Eltern bei Vernachlässigung und Überfürsorge

Eine gute Zusammenarbeit zwischen LehrerInnen und den Eltern ist wichtig für die Entwicklung der SuS. Doch was kann man tun, wenn es mal nicht so gut läuft? Wir zeigen euch Möglichkeiten auf, den Umgang mit Eltern sicherer zu gestalten.

LehrerInnen sind für die schulische Erziehung verantwortlich, wobei Eltern in der Lage sein sollten, diese zu ermöglichen. Dies ist natürlich den meisten Eltern bewusst, wodurch sich die Zusammenarbeit häufig unkompliziert und sogar unterstützend gestaltet. Manchmal kommt es jedoch zu Konflikten, welche das LehrerInnenleben schwerer machen, als es unbedingt sein muss.

Schwierig wird es vor allem, wenn eine der Parteien die jeweiligen erzieherischen Aufgaben dem Aufgabenspektrum der anderen zuschreibt. “Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf”, sagt ein nigerianisches Sprichwort und verdeutlicht so: Niemals ist nur eine Person für die Erziehung eines Kindes verantwortlich. Vielmehr benötigt jedes Kind mehrere, sichere Anlaufstellen für die unterschiedlichen Aufgaben, die es im Leben zu bewältigen gibt.

Zwei Extreme in der Elternarbeit

Natürlich sind die Herausforderungen des LehrerInnenlebens vielseitig und häufig nicht auf einfache Schemata reduzierbar. Jedoch sind meist zwei Extreme in der Elternarbeit zu beobachten, welche Kopfzerbrechen bereiten:

 

Vernachlässigend-desinteressierte Eltern

Im ersten Fall ist von Kooperation von Seiten der Eltern nur wenig zu spüren: Diese Eltern erkennt man anhand ihrer Abwesenheit bei Elternabenden und -sprechtagen, fehlender Unterstützung der SuS sowie einer niedrigen Kooperationsbereitschaft gegenüber der pädagogischen Arbeit der Lehrkraft. Im besten Fall zeichnet sich diese “Erziehungsmethode” durch Desinteresse aus. Sie schreien ihre Kinder an, schimpfen, nörgeln – im schlimmsten Fall kommt es zu körperlicher Gewalt gegenüber ihrer Kinder. Eine Zusammenarbeit mit diesen Eltern ist kaum möglich. Sie fühlen sich nicht verantwortlich für den schulischen Erfolg der SuS und empfinden es als Angriff, wenn sie auf die fehlende Zusammenarbeit hingewiesen werden. Die Leistungen ihres Kindes sind ihnen nicht wichtig – oder sie sehen sie ganz in der Verantwortung der Lehrkraft.

 

Überfürsorgliche Eltern

Der gegenteilige Fall zeichnet sich durch ein übermäßiges Interesse an den Leistungen des Kindes aus. Die allseits bekannten “Helikopter-Eltern” folgen ihren Kindern auf Schritt und Tritt, tragen ihnen alles nach – geben ihnen somit keinen Raum sich frei zu entfalten und eigene Fehler zu machen. Macht die Lehrkraft auf Problematiken oder mangelnde schulische Erfolge aufmerksam, werden diese nicht als konstruktive Rückmeldung von Seiten der Lehrkraft verstanden, sondern vehement abgetan. Für die Probleme des Kindes sehen auch sie ganz klar die Schule in der Verantwortung. Im schlimmsten Fall erscheint diesen Eltern der Einsatz eines Anwalts als probates Mittel.

Umgang mit schwierigen Eltern – Lösungsansätze

Der Umgang mit den desinteressiert-vernachlässigenden Eltern gestaltet sich besonders schwierig. In diesem Fall muss man sich als Lehrkraft die Grenzen der eigenen Verantwortung vor Augen führen – auch wenn das nicht immer einfach ist. Während psychische Misshandlung nur schwer zu erkennen ist, sind LehrerInnen bei Vernachlässigung und körperlicher Gewalt dazu verpflichtet, tätig zu werden. Bei konkreten Anhaltspunkten wie Blutergüssen, ungepflegtem Erscheinen in der Schule oder gar Mangelernährung sollte eine schnelle Absprache mit der Schulleitung erfolgen. Ferner sollten die Eltern über die Beobachtungen informiert und eine fachliche Beratung in Anspruch genommen werden. Besteht konkreter Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, gilt es das Jugendamt oder die Polizei zu informieren.

 

Im gegensätzlichen Fall – also der Überfürsorge von Seiten der Eltern – ist die Gefahr weniger konkret. Dennoch ist der Umgang mit diesen Eltern ebenfalls kräftezehrend. Es werden unangemessene Erwartungen an die Lehrkräfte gestellt, welche nicht erfüllt werden können und sollten. In dieser Situation ist es wichtig sich zunächst vor Augen zu führen, dass Eltern natürlich hohe Erwartungen an die Schule knüpfen und das Beste für ihr Kind wollen. Man sollte der Sorge der Eltern daher offen und verständnisvoll begegnen sowie klar kommunizieren, dass man diese ernst nimmt.

 

Viele LehrerInnen verschließen sich vor diesen Eltern und vermitteln ihnen häufig offen oder unterbewusst, dass diese Erwartungen maßlos übertrieben sind. Richtiger ist es, eine grundsätzliche Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, jedoch auch klare Grenzen aufzuzeigen. So sind LehrerInnen nicht jederzeit für ein Gespräch verfügbar und selbstverständlich auch nicht am Wochenende erreichbar. Private Telefonnummern sollten nicht herausgegeben werden, denn an dieser Stelle gilt es, die eigene Privatsphäre und Freizeit zu schützen.

 

Ein besserer Ansatz wäre es, zu signalisieren: “Ich nehme Ihre Sorgen und Wünsche sehr ernst und versuche diese für alle SuS gleichermaßen zu erfüllen. Dies gelingt besonders gut durch die Kooperation der Eltern und wenn mir das nötige Vertrauen geschenkt wird.”

 

Klare Grenzüberschreitungen sind plötzliche, nicht abgesprochene Elterngespräche zwischen Tür und Angel, das Begleiten der SuS bis ins Klassenzimmer und das Abwälzen der Verantwortung für schlechte schulische Leistungen auf die LehrerInnen. Diese sollten als solche höflich und verständnisvoll, jedoch auch immer bestimmt, kommuniziert werden. Vermutet man eine Überfürsorge der Eltern, bietet sich ein Gespräch an, bei welchem man Verständnis für die Sorgen zeigt, jedoch auch die Wichtigkeit unterstreicht, dass den SuS die Möglichkeit gegeben werden muss, zu selbstständigen und eigenverantwortlichen Individuen heranzuwachsen. Dies gelingt nur, wenn ihnen der Raum zugestanden wird, eigene Erfahrungen und Fehler zu machen.

Elternarbeit: Eine Frage der Kommunikation

Schwierigen Eltern können den Lehrberuf manchmal komplizierter machen, als es sein muss. Es bietet sich an, diesen Konfrontationen mit einer Mischung aus Offenheit, Verständnis und klarer Kommunikation der Grenzen zu begegnen. Letztlich ist man als Lehrkraft im schulischen Kontext der pädagogische Profi und sollte sich dies nicht in Abrede stellen lassen.

 

Besonders für BerufsanfängerInnen sind dies wertvolle Hinweise, welche die Zusammenarbeit mit Eltern erleichtern können. Unsere Lieblingslehrer Daniel und Nele haben sich im meinUnterricht Lehrerplausch ebenfalls mit dieser Herausforderung im LehrerInnenalltag auseinandergesetzt. Reinhören könnt ihr bei Soundcloud, iTunes und Spotify

 

Unser Blogbeitrag zur Vorbereitung eines Elternsprechtags liefert euch außerdem wichtige Tipps und Anmerkungen, was es dabei im Speziellen zu beachten gilt – dort findet ihr ebenfalls nützliche Druckvorlagen , wie beispielsweise Rücklaufzettel und Gesprächsprotokolle.