Brainstorming und Co.: Methoden für das Entwickeln von Ideen im Unterricht

Es gibt viele Methoden, um die Kreativität eurer Schülerinnen und Schüler anzuregen und in Gruppenarbeit Lösungen zu finden. Doch welche sind die besten? Und wie lassen sie sich im Unterricht umsetzen und dabei gähnende Kopfleere oder wildes Chaos vermeiden?

Besonders bei der Gruppenarbeit und im Projektunterricht ist es wichtig, dass sich so viele Schüler wie möglich mit Ideen beteiligen und kreativ sind. Für viele Lehrkräfte ist dies eine große Herausforderung. Dabei kann jeder Schüler kreativ sein – unter den richtigen Bedingungen und mit Hilfe passender Methoden bzw. Kreativitätstechniken.

Einige erprobte Kreativitätsmethoden für den Unterricht werden im Folgenden vorgestellt. Das Gute dabei: Sie eignen sich auch für Lehrkräfte, die nur wenig Zeit für die Unterrichtsvorbereitung haben sowie für Schülerinnen und Schüler, die noch nicht viel Erfahrung mit Gruppenarbeit gesammelt haben.

Weitere Methoden für Gruppenarbeit findest du in diesem Blogpost: Gruppenarbeit leicht gemacht – 4 Methoden für den Unterricht

Die Brainstorming-Methode: Klassiker im Unterricht

Der Klassiker schlechthin unter den Kreativitätsmethoden ist das Brainstorming. Es ist eine vom Werber Alex Osborn in den 1920ern erfundene Technik, die die Ideenfindung in der Gruppe fördern soll. Osborn beobachtete während seiner Zeit in der Werbeagentur, dass Meetings die Kreativität der Teilnehmer eher blockieren als fördern. Also stellte er vier Regeln auf, die Raum für kreative Ideen geben sollten:

1. Übe keine Kritik.

2. Je mehr Ideen, desto besser.

3. Ergänze und verbessere bereits vorhandene Ideen.

4. Je ungewöhnlicher die Idee, desto besser.

Die vier Regeln sind bis heute die Basis eines erfolgreichen Brainstormings.

So funktioniert’s im Unterricht: Vor dem Beginn des Brainstormings muss die Lehrkraft eine Frage- oder Problemstellung formulieren. Entweder als „Schneeschaufelfrage“ (allgemeiner, lässt viele Lösungsvorschläge zu), zum Beispiel: „Wie können wir das Brainstorming verbessern?“ Oder als „Spatenfrage“ (so konkret und direkt wie möglich), zum Beispiel: „Wie geht man damit um, wenn sich jemand beim Brainstorming in den Vordergrund spielt?“

Nach kurzer Nachdenkpause wird von den Schülern all das zusammengetragen, was ihnen dazu einfällt. Egal, wie naheliegend oder weit hergeholt. Alle Ideen und Gedanken müssen vom Lehrer oder einem Protokollanten festgehalten werden. Ganz wichtig ist, dass sich alle an die genannten vier goldenen Regeln halten. Im Anschluss können gemeinsam Ordnungsstrukturen erarbeitet werden, um die Ideen der Schüler zusammenzufassen. Zum Beispiel können die Ideen nach Gemeinsamkeiten oder übergreifenden Themen sortiert werden. Ab jetzt ist auch Kritik erlaubt und nicht brauchbare Ideen dürfen in den Papierkorb wandern. Die Vorschläge, die für gut befunden werden, werden in einer Liste dokumentiert. Sie sind nun das Rohmaterial, auf dessen Basis fertige Lösungen entstehen können.

Die 6-3-5 Methode: Viele Ideen in kurzer Zeit

Frei nach dem Chemienobelpreisträger Linus Pauling („Der beste Weg, gute Ideen zu erhalten, besteht darin, möglichst viele Ideen zu entwickeln“), macht es die 6-3-5 Methode möglich, in kurzer Zeit viele Ideen zu entwickeln. Wenn es flutscht, können so 90 Ideen in 30 Minuten entstehen: 6 Teilnehmer x 3 Ideen x 5 Durchgänge. Dazu funktioniert sie relativ spontan mit noch ungeübten Teilnehmern.

So funktioniert’s im Unterricht:

Schritt 1: Die Klasse wird in mehrere Gruppen à 6 TeilnehmerInnen aufgeteilt (kleinere Gruppen sind natürlich auch möglich). Alle SuS erhalten ein Arbeitsblatt mit der Fragestellung und ergänzen den Namen ihrer Gruppe sowie das aktuelle Datum.

Schritt 2: Die Lehrkraft bestimmt die Zeitdauer, mit der pro Runde gearbeitet wird (in der Regel zwischen 3 und 5 Minuten).

Schritt 3: Jeder der SuS schreibt den eigenen Namen neben die erste Zeile und trägt drei Ideen in die nebenstehenden Felder ein.

Schritt 4: Nach Ablauf der Zeitspanne wird das Arbeitsblatt im Uhrzeigersinn an den oder die Nachbarin weitergegeben.

Schritt 5: Der nächste S versucht nun, die bereits genannten Ideen aufzugreifen, zu ergänzen und weiterzuentwickeln.

Schritt 6: Das Ganze wird wiederholt bis zur letzten Zeile des Arbeitsblattes.

Schritt 7: Die gesammelten Ideen werden gemeinsam zu thematisch zusammengehörigen Gruppen geordnet und ausgewertet. Die überzeugendsten Ideen werden ausgewählt und bis zur Praxisreife ausgearbeitet.

Zu unserer Vorlage für das Arbeitsblatt zur 6-3-5 Methode geht es hier entlang:

Arbeitsblatt 6-3-5 Methode

Die Walt-Disney-Methode: Ausgetretene Denkpfade verlassen

Die Walt-Disney-Methode geht, wie der Name schon sagt, auf den Schöpfer von Micky Maus & Co. zurück. Es ist eine Art Rollenspiel, das davon lebt, sich zu einem Problem oder einer Fragestellung aus drei verschiedenen Perspektiven Gedanken zu machen und Ideen zu finden.

So geht’s im Unterricht: Im ersten Schritt nehmen die SuS die Rolle des „Visionärs“ bzw. „Träumers“ ein. Für sie gibt es keine Probleme, Hindernisse und Bedenken, nur grenzenlose Möglichkeiten. Sie blicken weit über den Tellerrand und halten Ausschau nach visionären (oder verrückten) Ideen. Die Devise: Alles ist möglich, alles ist erlaubt.

Im nächsten Schritt nehmen die SuS die Sicht des „Realisten“ ein und liefern Vorschläge zur Umsetzung der Ideen. Sie gehen pragmatisch heran und überlegen sich, wie sie die verrückten Ideen, die sie als Visionär entworfen haben, nun konkret umsetzen können und was sie dazu alles benötigen.

Es folgt der „Kritiker“: Die Ideen werden nun gnadenlos nach ihren Schwächen analysiert. Wo lauern Probleme? Welche Stolpersteine und Widersprüche gibt es?

Da die meisten SuS nicht geübt in dieser Methode sind, ist es umso wichtiger, dass die Lehrkräfte dafür sorgen, dass alle ihrer Rolle treu bleiben und die Rollen in der richtigen Reihenfolge wechseln. Ratsam ist es ebenso, dass jeder Rollengruppe ein eigener Ort im Klassenzimmer zugeteilt ist, was den Mentalitätswechsel beim Übergang von einer Rolle zur anderen noch mal verstärkt.

Collective-Notebook im Unterricht: Mit dem Notizbuch Probleme löse

Collective-Notebook-Methode

Das gute alte Notizbuch hilft Menschen seit Jahrhunderten, kreativ zu sein und Ideen festzuhalten. Die Methode Collective-Notebook bietet die Möglichkeit, Gruppenarbeit und die eigenständige, schriftliche Auseinandersetzung mit einem Problem zu vereinen. Dazu gibt sie den Schülern die Möglichkeit, sich ohne Zeit- und Gruppendruck einem Problem zu widmen.

So geht’s im Unterricht: Die SuS erhalten den Auftrag, innerhalb eines definierten Zeitraums (klassischerweise zwei bis vier Wochen, kürzere Zeiträume sind aber auch möglich), ihre Ideen und Gedanken zu einem konkreten Problem in einem Notizbuch festzuhalten. Am besten mit der Vorgabe, täglich Notizen zu machen und das Notizbuch jederzeit bei sich tragen, damit jeder noch so spontane Einfall niedergeschrieben werden kann. Auf der ersten Seite dieses Notizbuches steht die Problemstellung.

Nach Ablauf der vorgegeben Zeit, folgt an einem gemeinsamen Termin die Auswertungsphase, die ähnlich wie beim Brainstorming ablaufen kann: Die Ideen werden alle an die Tafel oder ein Whiteboard gebracht, nach Clustern geordnet, diskutiert und schließlich die überzeugendsten für eine tiefer gehende Bearbeitung ausgewählt.