Prüfungsangst vor Klassenarbeiten: Was Lehrkräften im Schulalltag helfen kann
- Wenn Prüfungsstress den Zugriff auf Wissen blockiert
- Der Gedanke hinter dem „Test Talk“
- So funktioniert der Test Talk vor Klassenarbeiten
- 1. Die Klassenarbeit lesen
- 2. Die Blätter umdrehen
- 3. Fünf Minuten Austausch
- 4. Die individuelle Bearbeitung beginnt
- Warum diese fünf Minuten helfen können
- Funktioniert das in jeder Klassenarbeit?
- Warum kleine Veränderungen Prüfungsstress reduzieren können
- FAQ
- Was tun gegen Prüfungsangst?
- Kann man Prüfungsangst komplett vermeiden?
- Was hilft Schüler:innen vor Klassenarbeiten?

Die Klassenarbeit beginnt, eigentlich wurde gelernt, und trotzdem wirken manche Schüler:innen schon in den ersten Minuten blockiert oder verunsichert. Der Lehrer Hendrik Haverkamp beobachtet das seit Jahren in seinem Unterricht. Schüler:innen, die vorbereitet wirken, verlieren plötzlich den Zugriff auf ihr Wissen. Nicht selten scheitert es weniger am Inhalt als an der Situation selbst. Haverkamp beschreibt das so:
Für Lehrkräfte stellt sich dabei oft dieselbe Frage: Wie lassen sich Prüfungssituationen gestalten, ohne zusätzlichen Druck aufzubauen? Für die erste Ausgabe von schulzeit. beschreibt Haverkamp deshalb eine Methode, die Schüler:innen helfen soll, ruhiger und sicherer in Klassenarbeiten zu starten: den sogenannten Test Talk.
Wenn Prüfungsstress den Zugriff auf Wissen blockiert
Prüfungsangst gehört für viele Schüler:innen zum Schulalltag, auch wenn selten offen darüber gesprochen wird. Im Unterricht zeigt sich der Druck oft erst auf den zweiten Blick: durch Konzentrationsprobleme, Schlafmangel, Rückzug oder große Unsicherheit vor Klassenarbeiten und Klausuren. Selbst eine gute Vorbereitung schützt nicht immer davor, dass Stress das Abrufen von Wissen erschwert.
Denn für viele SuS geht es in Prüfungssituationen nicht nur um die eigentliche Aufgabe. Häufig spielt auch die Sorge mit, den eigenen Erwartungen oder dem Druck von außen nicht gerecht zu werden. Gerade die ersten Minuten einer Klassenarbeit können deshalb entscheidend dafür sein, ob Schüler:innen ruhig genug werden, um konzentriert arbeiten zu können.
Der Gedanke hinter dem „Test Talk“
Hier kommt der sogenannte Test Talk ins Spiel. Die Methode stammt ursprünglich vom amerikanischen Mathelehrer Howie Hua und wurde später von Hendrik Haverkamp für den eigenen Unterricht aufgegriffen und weitergedacht. Die Idee: Vor Beginn der eigentlichen Bearbeitungszeit bekommen Schüler:innen einen kurzen, klar strukturierten Austauschmoment. Dabei geht es nicht darum, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, sondern vor allem darum, Unsicherheit vor dem eigentlichen Start zu reduzieren.
So funktioniert der Test Talk vor Klassenarbeiten
Der Ablauf ist bewusst unkompliziert und lässt sich leicht in bestehende Prüfungssituationen integrieren.

1. Die Klassenarbeit lesen
Die Schüler:innen erhalten die Aufgaben und lesen sie zunächst für etwa zwei Minuten still durch - ohne Stift in der Hand.
2. Die Blätter umdrehen
Anschließend werden alle Unterlagen verdeckt auf den Tisch gelegt.
3. Fünf Minuten Austausch
Jetzt dürfen sich die Schüler:innen in kleinen Gruppen austauschen:
- Was genau wird verlangt?
- Welche Aufgabe wirkt schwierig?
- Was ist unklar?
- Wie könnte man an die Klausur herangehen?
Wichtig dabei: Es liegen keine Materialien oder Stifte auf dem Tisch. So soll verhindert werden, dass komplette Lösungen weitergegeben werden.
4. Die individuelle Bearbeitung beginnt
Nach fünf Minuten endet der Austausch und die eigentliche Klassenarbeit startet.
Warum diese fünf Minuten helfen können
Haverkamp beschreibt den Test Talk nicht als Ersatz für Leistung, sondern als „Anlaufhilfe“. Die Klausur bleibt individuell, aber der Einstieg verliert etwas von seiner Drucksituation.
Viele Schüler:innen berichten laut Haverkamp von einem ruhigeren Startgefühl und mehr Sicherheit. Verständnisfragen lassen sich klären, erste Unsicherheiten verlieren an Gewicht und viele Schüler:innen starten spürbar ruhiger in die Bearbeitungszeit. Der Test Talk verändert nicht das Wissen der Schüler:innen, sondern die Bedingungen, unter denen sie darauf zugreifen können.
Funktioniert das in jeder Klassenarbeit?
Nein - und genau das macht den Ansatz glaubwürdig. Haverkamp betont selbst, dass der Test Talk nicht zu jeder Prüfungsform passt. Reine Wissensabfragen eignen sich eher weniger, weil Informationen dort leichter weitergegeben werden könnten.
Sinnvoller ist die Methode dagegen bei Aufgaben, die auf Verstehen, Analysieren, Transferleistungen, Deuten oder Problemlösen abzielen. Gerade dort geht es ohnehin weniger darum, einzelne Fakten auswendig wiederzugeben, sondern Zusammenhänge herzustellen und Gedanken zu entwickeln.
Warum kleine Veränderungen Prüfungsstress reduzieren können
Ein Test Talk wird Leistungsdruck oder Prüfungsangst nicht grundsätzlich lösen. Manche Schüler:innen brauchen deutlich mehr Unterstützung. Trotzdem zeigt die Methode einen wichtigen Gedanken: Prüfungsangst entsteht nicht nur individuell, sondern oft auch durch die Art, wie Prüfungssituationen gestaltet sind. Genau dort können Lehrkräfte ansetzen. Der Test Talk versucht nicht, Prüfungen komplett neu zu erfinden oder Leistung abzuschaffen. Er schafft lediglich einen ruhigeren Einstieg in einen Moment, der für viele Schüler:innen belastend ist — und hilft ihnen dabei, vorhandenes Wissen trotz Prüfungsstress und Nervosität abrufen zu können. Manchmal machen genau solche kleinen Veränderungen bereits einen wichtigen Unterschied.
FAQ
Was tun gegen Prüfungsangst?
Hilfreich sind vor allem klare Strukturen, transparente Erwartungen und ruhige Einstiege in Prüfungssituationen. Genau hier setzt auch der Test Talk an, indem er den Austausch unter Schüler:innen bewusst in die Prüfungssituation integriert.
Kann man Prüfungsangst komplett vermeiden?
Wahrscheinlich nicht. Stress vor Prüfungen gehört für viele Schüler:innen bis zu einem gewissen Grad dazu. Problematisch wird es jedoch dann, wenn die Anspannung den Zugriff auf vorhandenes Wissen erschwert.
Was hilft Schüler:innen vor Klassenarbeiten?
Hilfreich sind vor allem klare Abläufe, realistische Vorbereitungssituationen und kurze Orientierungsmomente direkt vor Prüfungsbeginn. Schon kleine Routinen vor Prüfungsbeginn geben vielen Schüler:innen mehr Sicherheit.




