Rituale in der Schule – entspannter unterrichten (1): Ruherituale für den Unterricht

Christoph Eichhorn Veröffentlicht am
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Eine aufmerksame und stille Klasse – zumindest während etwas Wichtiges erklärt wird: das wünscht sich wahrscheinlich jede Lehrkraft. Hier erklärt der Autor und Classroom-Management-Experte Christoph Eichhorn, wie Ruherituale sowohl in der Grundschule als auch in höheren Stufen gelingen.

Dieser Beitrag ist der 1. Teil unserer neuen Blogserie: Rituale in der Schule – entspannter unterrichten“

 

Im Klassenzimmer der 6. Klasse von Frau Peters ist es mucksmäuschenstill. Die Schülerinnen und Schüler (SuS) hören aufmerksam zu, wenn sie etwas Wichtiges erklärt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Frau Peters kann in Ruhe erklären, was ihr wichtig ist. Und die Chancen, dass ihre SuS ihre Erklärungen gut verstehen, sind gut. Damit legt sie die Basis dafür, dass ihre SuS die gestellten Aufgaben erfolgreich bewältigen und sich gut fühlen. Wie hat Frau Peters das nur so gut geschafft? Das erfahren Sie, wenn Sie ein bisschen weiter lesen.

 

Ruhig sein, wenn die Lehrperson etwas sehr Wichtiges erklärt

Ruheritual 1: Gemeinsames Zählen/Zähl-Ritual

Für wen: Funktioniert vor allem bei SuS der Klassen 1-6.

Vorgehen: Die Lehrperson (L) zählt von 4 bis 1. Alle SuS zählen mit.

4 bedeutet: Ich lege alles aus der Hand. Warum? Wenn die SuS Gegenstände in der Hand behalten, kann sie das zum Spielen animieren. Oder ein S klopft beispielweise mit seinem Bleistift auf den Tisch.

3 bedeutet: Ich verschränke meine Arme vor meiner Brust. Damit können die Arme nicht den Nachbarn stören.

2 bedeutet: Ich schließe meinen Mund. Klar sollen die S jetzt auch nicht mehr sprechen.

1 bedeutet: Ich schaue meiner Lehrperson in die Augen. Blickkontakt bietet die höchste Wahrscheinlichkeit, dass die SuS auch wirklich zuhören. Wenn sie beispielsweise aus dem Fenster schauen, schweifen ihre Gedanken ab.

Wichtige Vorteile sind:

1. Die SuS sind beschäftigt.

2. Durch das Mitzählen instruieren sich die SuS selbst, also sagen sich selbst, was sie tun sollen.

3. Die L kann jeden einzelnen der vier Schritte beobachten. Damit hat sie die Chance, sofort korrigierend einzugreifen, wenn ein S den entsprechenden Schritt nicht einhält. Klar könnte auch ein Punkt unserer Reihe lauten: „Ich passe gut auf“. Ungünstig daran ist aber, dass die L damit eine Forderung aufstellt, die sie nicht überprüfen kann.

 

Ruheritual 2: Gemeinsames rhythmisches Klatschen – Klatsch-Ritual

Für wen: Funktioniert vor allem bei älteren SuS und jungen Erwachsenen.

Vorgehen: Die L beginnt damit, einen einfachen Rhythmus zu klatschen. Alle SuS stimmen mit ein. Gleichzeitig sollen sie Blickkontakt zur L aufnehmen. Wenn es dann absolut ruhig ist, beginnt die L mit ihrer Erklärung.

Wichtige Vorteile sind:

1. Das Klatschen ist nicht zu überhören.

2. Für ältere SuS ist rhythmisches Klatschen attraktiv.

3. Die SuS müssen alle Gegenstände aus der Hand legen, um mitklatschen zu können.

4. Das Ritual ist unkompliziert.

 

Variante: Das Klatsch-Ritual mit Ritual-Chefs

Das Klatsch-Ritual eignet sich gut dafür, drei bis fünf Schüler einzubeziehen. Bei besonders oppositionellen SuS ist es wichtig, dies im Voraus zu tun, damit es schon gar nicht dazu kommt, dass sie sich vor der Klasse verweigern.

Vorgehen:

1. Laden Sie vor dem ersten Durchführen drei bis fünf SuS – je nach Klassengröße – dazu ein, „Ritual-Chefs“ zu werden. Geben Sie diesem Amt eine Bezeichnung, die bei Ihren SuS gut ankommt, wie z. B. Takt- oder Rhythmus-Chef.

2. Wenn es in der Klasse richtig ruhig werden muss, „aktivieren“ Sie die Ritual-Chefs, z. B. mit einem roten Lichtsignal. Das ist für die Ritual-Chefs das Zeichen, mit dem Klatschen zu beginnen. Wählen Sie für dieses Amt SuS, die im ganzen Klassenzimmer verteilt sitzen.

3. Instruieren Sie die Ritual-Chefs im Voraus über ihrer Aufgabe und wie sie sie aktivieren.

4. Natürlich sollen sich, auch bei dieser Variante eines Ruherituals, alle SuS am Klatschen beteiligen und sofort mitklatschen.

5. Wechseln Sie die Ritual-Chefs alle zwei bis drei Wochen.

6. Wählen Sie in der Anfangsphase SuS mit besonders herausforderndem Verhalten für diese Aufgabe aus. Benutzen Sie die dadurch entstehenden Möglichkeiten positiver Kommunikation, um Ihre Beziehung zu diesen SuS gezielt zu verbessern, z. B. indem Sie sich bei ihnen für die wertvolle Mitarbeit bedanken und ihnen erklären, wie gut Sie sich durch deren Mitarbeit unterstützt fühlen. „Danke für deine Hilfe, Manuel“, sagt Frau Peters. Dann macht sie mit ihm aus, dass sie seine Eltern anruft, um ihnen mitzuteilen, wie gut sie sich von Manuel unterstützt fühlt. Diese reagieren richtig glücklich.

7. Bleiben Sie mit Anerkennung dran, um Ihre Beziehung zu oppositionellen S zu vertiefen: Sie können beispielsweise am nächsten Morgen beim Begrüßen sagen: „Prima, wie du das gestern gemacht hast.“ Oder: „Du hast ein gutes Rhythmusgefühl“. Und am nächsten Tag: „Schön, dass du bei dieser wichtigen Aufgabe so gut mitmachst.“

 

Auf einen Blick: So gelingen Ruherituale

Vorbereitung:

– planen Sie ein einfaches Ruheritual, bei dem Ihre SuS mitmachen

legen Sie fest, wie das Ritual genau aussieht – Sie können auch Ihre SuS daran beteiligen

– bei älteren SuS bietet sich ein Klatsch-Ritual an

– machen Sie sich vor dem Üben im Klassenzimmer klar, dass Sie immer damit rechnen müssen, dass ein S stört – aus welchem Grund auch immer

– versuchen Sie trotzdem ruhig und gelassen zu bleiben

– wenn das nicht immer gelingt, ist das kein Weltuntergang 

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