Stress im Lehrerberuf

7. Kein Stress in der Schule

In dem Kassenschlager »Fack Ju Göhte« lernt Elyas M’Barek alias Aushilfslehrer Zeki Müller in der gefürchteten Horrorklasse 10b, was es wirklich heißt Lehrer zu sein: Überforderung. Stress. Chaotischer Wahnsinn. Aber auch: Warmherzigkeit. Nachhaltigkeit. Sinn. Am Ende macht ihm sein neuer Beruf so viel Spaß, dass er gar nicht mehr weg aus der Schule will. Und die Schüler unter dem ehemaligen Bankräuber mit unkonventionellen Lehrmethoden sogar gerne in den Unterricht gehen.  

 

Lehrerberuf: für viele extrem stressig

Was Zeki Müller in einem zugespitzten Hochgeschwindigkeits-Crashkurs erlebt, belegen viele Befragungen und Studien der letzten Jahre: Das Lehrerdasein ist eine »high-stress profession« – so Kyriacou, ein bekannter Forscher zur Lehrerbelastung in den USA. Rund ein Viertel der von ihm Befragten empfinden ihren Beruf als sehr oder extrem stressend. Studien aus Deutschland kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Auch bei der Verbreitung des Burnout-Syndroms sticht der Lehrerberuf heraus: 30% aller Lehrkräfte leiden darunter, so das Ergebnis der in diesem Jahr veröffentlichten Metastudie »Psychische Belastungen und Burnout beim Bildungspersonal« des renommierten Aktionrates Bildung. Damit liegt der Lehrerberuf deutlich über dem allgemeinen Burnout-Durchschnitt von rund 20% der Berufstätigen.

 
Stressfaktoren im Schulalltag

Werfen wir einen Blick auf die spezifischen Anforderungen des Lehrerberufs. Welche Faktoren haben den größten negativen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Lehrer?

Die Studie des Aktionrates Bildung nennt drei Hauptgründe:

1. Die extrem hohe Interaktionsdichte im Unterricht. Lehrkräfte befinden sich in einem ständigen Modus der hochangespannten Aufmerksamkeit. Sie müssen permanent auf ihre Schüler reagieren, Fragen beantworten, Streit schlichten, Aufgaben verteilen usw. Irgendwann verlieren sie dann das Gefühl dafür, wann eine Reaktion von ihnen notwendig, angemessen und richtig ist – und wann nicht. Diese Unsicherheit zerrt an ihrem Nervenkostüm.

2. Arbeiten von zu Hause aus. Der Berufsalltag eines Lehrers spaltet sich in zwei Teile: Schularbeit und Heimarbeit. In der Schule steht der Unterricht mit den Schülern im Vordergrund. Und zu Hause das Korrigieren von Hausaufgaben, Klassenarbeiten und die Unterrichtsvorbereitung für den nächsten Tag. Das Problem dabei: Häufig verwischt in der Heimarbeit die Grenze zwischen Berufs- und Privatleben. So investieren viele Lehrer in ihrer Freizeit zu viel Zeit und Energie in ihren Beruf.

3. Die mangelnde Kooperation innerhalb der Lehrerkollegschaft. Unter der Halbtagsanwesenheit leidet auch der Kontakt und der Austausch der Kollegen untereinander. Viele Schulen investieren zudem zu wenig, um den Zusammenhalt und Austausch unter den Lehrern zu stärken.

 

Maßnahmen zur Burnout-Bekämpfung

Um den Stress und die Burnout-Gefahr im Lehrerberuf zu senken, schlägt der Aktionsrat Bildung mehrere Verbesserungsmaßnahmen vor:

1. Aufnahme- und studienbegleitende Gespräche für Lehramtsstudenten. Den angehenden Lehrern muss konsequenter vermittelt werden, welche Anforderungen ihr Beruf stellt. In anderen Worten: Es sollte keine bösen Überraschungen mehr geben, wenn die Lehramtsstudenten in den Beruf wechseln. Sie müssen wissen, was auf sie zukommt. Und sie müssen wissen, ob und wie sie damit umgehen können.

2. Im Studium: Stressmanagement schulen. Bereits im Studium muss stärker Wert auf den richtigen Umgang mit stressauslösenden Faktoren wie z. B. Lärm im Klassenzimmer gelegt werden.

3. Im Job: Fokus auf Weiterbildung. Es fehlt an berufsbegleitenden Fortbildungsmöglichkeiten, Modulen, Trainings- und Qualitätszirkeln, die Lehrkräften einen tieferen Einblick in die Themen Stressbewältigung und Klassenmanagement geben. Diese müssen gezielter und in größerem Umfang bereitgestellt werden.

4. Betriebliches Gesundheitsmanagement. Zu häufig vernachlässigen Schulen die Bereiche Gesundheitsförderung und Stressprävention. Hier muss einerseits der Austausch zwischen Schulleitung und Lehrkräften verstärkt werden. Aber auch die Länder sind gefragt. Sie müssen ein stärkeres Netz von Servicestellen aufbauen, die die einzelnen Schulen gezielt unterstützen können.

 

Was am Ende zählt

Würde Zeki Müller den hier beschriebenen Verbesserungsvorschlägen zustimmen? Nun, wahrscheinlich wären sie ihm egal. Und dennoch: Bei all den Beratungs- und Präventionsmaßnahmen darf eines nicht vergessen werden: Man muss nicht zum Lehrer geboren sein. Aber man sollte seinen Job gerne machen. Ihn mit Leidenschaft, Engagement und der nötigen Widerstandskraft ausüben. Das, so auch der Tenor vieler Studien, ist immer noch das beste Rezept gegen Burnout.

»Nie ist das menschliche Gemüt heiterer gestimmt, als wenn es seine richtige Arbeit gefunden hat«, schrieb Wilhelm von Humboldt.

Und damit hat er bestimmt auch Zeki Müller auf seiner Seite.

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