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Digitale Medien im Unterricht: das Internet und soziale Netzwerke nutzen

Das Internet hält Einzug in die Klassenzimmer. Wir stellen einige Ideen, Tipps und Methoden vor, mit denen Lehrkräfte digitale Medien und insbesondere soziale Netzwerke gewinnbringend im Unterricht einbinden können.

 

Digitale Medien im Unterricht bieten Schülerinnen und Schülern wie Lehrkräften einen großen Mehrwert. Natürlich gibt es auch heute noch den obligatorischen Overheadprojektor, der schon von Lehrer-Generation zu Lehrer-Generation weitergereicht wurde. Aber durch den Ideenreichtum und die Initiative vieler Lehrerinnen und Lehrer ist das Thema „Lernen über Medien“ im Schulalltag angekommen – und das oft auf ziemlich beeindruckende Weise.

Anhand konkreter Praxisbeispiele stellen wir im Folgenden vor, wie sich digitale Medien und insbesondere soziale Netzwerke im Unterricht sinnvoll einbinden lassen und was es dabei für die Lehrkraft zu beachten gilt.

 

Den Unterricht mit der Methode „Flipped Classroom“ und digitalen Medien auf den Kopf stellen

Beim Flipped Classroom geht es darum, dass die Schüler sich die von den Lehrkräften digital zur Verfügung gestellten Inhalte eigenständig aneignen: zuhause und vor der Unterrichtsstunde. Diese wird dann zur gemeinsamen Vertiefung des Gelernten genutzt. Kurz gesagt: Input zuhause, Üben in der Schule.

Sebastian Schmidt (hier geht es zu seiner Website) dreht für seine Variante des Flipped Classroom eigene Lernvideos zu einem bestimmten Thema und stellt sie den Schülern vor der Stunde über Youtube zur Verfügung. Jedes Video liefert auch gleich Aufgaben mit, die die Schüler erledigen müssen, sei es ein Quiz, ein Fragebogen oder die Gestaltung eines Hefteintrags. Die Videos sind kurz und knackig, nicht länger als 3 bis 5 Minuten.

Im folgenden Unterricht üben die Schüler dann das, was Sie in dem Video erklärt bekommen haben. Dieses Vorgehen vereinfacht auch die Differenzierung: Starke Schüler machen mehr oder schwerere Aufgaben – und die Kinder können sich im Unterricht gegenseitig beraten und einander helfen.

 

 

 

Digitale Medien produzieren: Mit Erklärvideos vom Lernenden zum Lehrenden werden

Mit Erklärvideos lassen sich komplexe Sachverhalte verständlich und unterhaltsam vermitteln. Sie sind in der Werbung und Unternehmenskommunikation weit verbreitet – erfreuen sich aber auch im schulischen Kontext immer größerer Beliebtheit.

Die Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe setzt zum Beispiel gezielt Erklärvideos zum individuellen Fördern und Fordern der einzelnen Schüler ein. Sie hat das Genre beinahe perfektioniert und folgt dabei dem Motto: „Wenn du es einfach erklären kannst, hast du es auch verstanden.“

Eine dafür eigens gegründete Schülerfirma („Noch Fragen?!“) produziert dafür im Rahmen eines „Erweiterten Bildungsangebotes“ die Erklärvideos zu ausgewählten Unterrichtsthemen und stellt sie anschließend allen Mitschülern zu Verfügung.

Aber auch Schülerteams, die Spezialisten in bestimmten Themen sind oder einen Themenbereich besonders schnell bearbeitet haben, können sich an der Produktion der Videos beteiligen.

 

 Hier geht es zu dem offenen Videokanal der Schule, auf dem ausgewählte Beispiele veröffentlicht werden.

 

Digitale Medien machen es möglich: Mit Schulen aus Europa an gemeinsamen Projekten über eine Internetplattform zusammenarbeiten

Mit Schulen aus Frankreich, Schweden oder Polen an gemeinsamen Projekten zusammenarbeiten? Das EU-Programm eTwinning macht’s möglich. Dort finden sich Lehrkräfte, die in europäischen Ländern tätig sind, auf einer Internetplattform zusammen, um zu kommunizieren, kooperieren, Projekte zu entwickeln und sich auszutauschen.

Entstanden ist dort zum Beispiel das Projekt „Ein Märchenhut geht auf Reisen“, bei dem insgesamt vier Schulen aus drei Ländern (Deutschland, Ungarn und Italien) zusammenarbeiteten. Bei dem Projekt setzten sich die 6- bis 10-Jährigen Schüler fächerübergreifend mit dem Thema „Märchen“ auseinander. Sie bastelten, malten und schrieben was das Zeug hielt und schickten einen selbst gemachten „Märchenhut“ zu ihren Partnerschulen. Durch die Geschichten lernten sie kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten kennen – und konnten sich dazu kreativ austoben. Eine der deutschen Klassen machte zum Beispiel aus dem Märchen „Der Gestiefelte Kater“ ein Multimedia-Theaterstück. Dazu haben die Schüler einiges geleistet: Das Märchen gelesen, Skripte entwickelt, Tonaufnahmen gemacht, Bilder digital gemalt, Objekte programmiert, auf der Bühne geprobt – und das Ganze natürlich auch erfolgreich aufgeführt.

Hier geht es zu einem kurzen Erklärvideo über den „Gestiefelten Kater“.

 

Mit sozialen Netzwerken und digitalen Medien die Öffentlichkeit über die eigene Schule informieren

Ob Facebook oder Youtube, Blogs, Foren oder Wikis – Social-Media-Angebote sind aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Das sie sich auch sinnvoll in die schulische Arbeit integrieren lassen, zeigt das Schulradio Frankenthal: ein Medienprojekt des Albert-Einstein-Gymnasiums. Dort informieren die beteiligten Schüler die schulische wie außerschulische Öffentlichkeit mit einem bunten Themen-Mix – zum Beispiel über Schulbälle, Mottowochen oder Kooperationen mit Partnerschulen. Das machen sie über verschiedene Kanäle wie Facebook, Instagram, Youtube oder einen eigenen Blog. Die Themen werden in der wöchentlichen Redaktionskonferenz festgelegt. Die Schüler erarbeiten in Kleingruppen die Beiträge weitgehend selbständig, wobei der Leiter der AG bei Problemen Unterstützung leistet.

Das Schulradio gibt es bereits seit dem Jahr 2007 und ist damit fester Bestandteil und ein schönes Aushängeschild der Schule.

 

Die Gefahren des Internets kreativ im Unterricht unter die Lupe nehmen

 Das Internet ist alltäglicher Lebensraum für die Schülerinnen und Schüler – oft schon ab dem Grundschulalter. Daher ist es umso wichtiger, dass sie sich darin kompetent und bewusst bewegen. Bei diesem multinationalen Projekt wurde daher das Thema Cybermobbing in den Fokus gerückt. Die Schülerinnen und Schüler nahmen das Phänomen unter die Lupe und beschäftigten sich mit Ursachen, Folgen und Unterstützungsmöglichkeiten für die Betroffenen von Cybermobbing.

Das Ganze dauerte ein Schuljahr lang (bei einer Unterrichtstunde pro Woche) und die Schüler erlebten dabei eine Menge zusammen. Sie sammelten einen virtuellen Koffer voller Materialien und tobten sich kreativ aus; sie erstellten Songs, gemeinsame Foto-Stories, Bilder und Filme zum Thema und sogar ein Manifest gegen Cybermobbing. Alles in allem ein tolles Projekt!

 

Twitter zur eigenen Fortbildung nutzen und sich mit anderen Lehrkräften vernetzen

Last, but not least: Eine Empfehlung, bei der die Lehrenden ganz unter sich sind. EDchatDE ist ein Twitterchat zu Bildungsthemen für Lehrende, nach amerikanischem Vorbild. Ziel ist es, die Vernetzung und den Austausch zwischen Lehrenden zu fördern und Bildungsprozesse sichtbar zu machen.

Der Chat findet jeden Dienstag von 20 bis 21 Uhr statt und steht allen Lehrerinnen und Lehrern mit eigenem Twitter-Account offen. Pro Chat tauscht man sich zu einer handvoll Themen aus, die zuvor per Abstimmung gewählt werden. Begleitet wird das Ganze von wechselnden Moderatoren-Teams.

Die Chat-Themen sind ein bunter Mix aus allem, was Lehrkräfte (im Schulkontext) umtreibt. Es wird über die richtigen Rahmenbedingungen in der Schule diskutiert, Tipps zur Unterrichtsvorbereitung ausgetauscht, konkrete Unterrichtsideen geteilt oder über die Schule der Zukunft sinniert.

Weitere Infos, Tweet-Sammlungen und Fragen aller bisherigen Chatrunden gibt es hier: bit.ly/edchatde. Zudem ist eine Art Best-of-EDchatDE als Buch erschienen. Es steht zum kostenfreien Download hier zur Verfügung.