29 – Was in der Schule funktioniert

Ein kleines Mädchen versucht, auf sein Pony zu steigen. Es klappt nicht. Sie versucht es wieder. Und wieder. Beim Zuschauen denkt man irgendwann: Das schafft sie nicht.
Sie gibt nicht auf. Und am Ende sitzt sie oben. (Das Video dauert eine Minute.)
Mich beschäftigt daran besonders unser Blick als Zuschauer: wie schnell wir glauben, den Ausgang zu kennen, während das Mädchen noch längst nicht fertig ist mit dem Versuchen.
An diese Szene musste ich denken, als am 8. September die Ergebnisse von PISA 2025 kamen. Deutschland schneidet in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften so schlecht ab wie nie zuvor. Rund einem Drittel der 15-Jährigen fehlen beim Lesen und in Mathematik grundlegende Kompetenzen. Quelle: BMBFSFJ und KMK
Danach war das Urteil über unser deutsches Schulsystem schnell gefällt: So geht alles den Bach runter, aber das war ja auch klar.
Die Schwierigkeiten in unseren Schulen sind real. Lehrkräfte erleben sie jeden Tag. Ich glaube aber, dass wir nach vorne schauen müssen.
2029 kommt bald
Die nächste Runde steht bevor, und was dort geprüft wird, wissen wir heute schon. PISA 2029 ist die zehnte Erhebung. Lesen bildet den Schwerpunkt, Mathematik und Naturwissenschaften gehören wieder dazu. Neu ist ein Bereich zu Medien- und KI-Kompetenz: wie Jugendliche mit digitalen Inhalten, Plattformen und KI-Systemen umgehen und wie kritisch sie Informationen einschätzen. Nach dem derzeitigen Zeitplan der OECD findet die Haupterhebung 2029 statt; die Ergebnisse sollen 2030 erscheinen. Quelle: OECD, PISA-2029-Broschüre
Viel Zeit ist das nicht.
Braucht man PISA überhaupt?
Man kann fragen, ob wir PISA wirklich brauchen. Ich sehe die Debatten rund um die Studie mit gemischten Gefühlen, und mit der Aufregung um Ranglisten und pauschale Urteile über Schule kann ich wenig anfangen.
Die geprüften Kompetenzen sind aber so grundlegend, dass wir sie ohnehin brauchen: einen Text verstehen, mit Zahlen und Daten umgehen, naturwissenschaftlich denken, einschätzen, ob eine Information stimmt. Junge Menschen brauchen das, ob es jemand misst oder nicht.
Also, einfach machen. Und darüber reden, was funktioniert.
Ich habe mit Carolin gesprochen, einer Grundschullehrerin aus Berlin, die an ihrer Schule die Noten abgeschafft hat. Ihre Klassen schneiden heute, so berichtet sie, in standardisierten Tests besser ab als Vergleichsklassen mit Noten. Am meisten beeindruckt hat mich der Weg dorthin. Sie hatte die Idee, hat die Eltern überzeugt und es mit einem Team von Lehrkräften einfach gemacht. Jetzt funktioniert es.
Warum „29“?
Bei meinUnterricht starten wir deshalb die Reihe „29 – Was in der Schule funktioniert“. In unserem Newsletter erzählen regelmäßig Menschen aus der Schule, was sie ausprobiert haben und was dabei herausgekommen ist. Die erste Ausgabe erscheint am 5. November.
Den Anfang macht Bob Blume mit einer klaren These: „Die Klassenarbeit darf nie das erste Feedback sein.“ Er leitet sie aus seiner Erfahrung ab und stützt sie mit der Forschung zum Testing-Effekt. Er erklärt, warum man das Format einer Klassenarbeit vorher üben lassen sollte. Und er beschreibt, wie seine Schülerinnen und Schüler bei langen Deutscharbeiten selbst wählen konnten, ob sie ihr Feedback als Audio, Text, Checkliste oder gar nicht haben wollten. Zu Bob Blumes Beitrag
Genau solche Momente interessieren mich, weil sie in fertigen Erfolgsgeschichten leicht verloren gehen: Was klappte zunächst nicht? Was musste verändert werden? Welche Vorbereitung war nötig? Welche Unterstützung gab es im Kollegium?
Zu jeder Ausgabe des „29“-Newsletters stellen wir passende Materialien bei meinUnterricht vor. Wir schauen uns jedes einzeln an und erklären, wofür es sich einsetzen lässt, damit aus dem Lesen möglichst leicht ein eigener Versuch werden kann.
Was heißt eigentlich „funktioniert“?
Der Titel unserer Reihe verpflichtet uns, genauer nachzufragen. Eine lebhafte Stunde, in der alle mitmachen, kann ein guter Anfang sein. Aber haben die Schüler:innen dabei auch etwas besser verstanden? Hat der Ansatz auch diejenigen erreicht, die mehr Unterstützung brauchen? Und lässt er sich im Schulalltag umsetzen?
Wir möchten dabei deutlich machen, worauf eine Einschätzung beruht: auf einer persönlichen Beobachtung, einem ausgewerteten Lernstand oder einem wissenschaftlichen Befund. Eine Erfahrung aus einer Klasse lässt sich nicht automatisch übertragen. Sie kann aber anderen helfen, einen eigenen Versuch zu planen.
Ich möchte von euch lernen
Wenn ihr etwas ausprobiert habt, was euren Unterricht vorangebracht hat, erzählt es mir. Was habt ihr erreicht, versucht und woran habt ihr eine Veränderung bemerkt? Schreibt mir einfach an 29@meinunterricht.de. Es muss keine fertige Erfolgsgeschichte sein. Auch eine offene Frage kann ein guter Anfang sein.
Ich dachte schon, dass das Mädchen es nicht schafft. Aber dann doch. Lasst uns von ihr lernen und dranbleiben.
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Ich freue mich darauf, von euch zu lernen.
Max
Maximilian Daub
Geschäftsführer von meinUnterricht
