Rituale im Unterricht

Georg Grob Veröffentlicht am
33. Rituale im Unterricht

„Guten Morgen,“ rufen Sie mit strahlendem Gesicht Ihrer Klasse entgegen, als Antwort schallt ein eingängiges „Guten Morgen, Frau Albrecht“ im Chor zurück. Mehr oder weniger bewusst greift wohl jede Lehrkraft in ihrem Unterricht auf das ein oder andere Ritual zurück. Nach Ihrer Begrüßung gehört die Aufmerksamkeit Ihrer Klasse allein Ihnen. Bewusst eingesetzt können Rituale eine unglaubliche Wirkung entfalten. Sie gehören zur Grundausstattung der Lehrkraft, als multifunktionales Steuerungswerkzeug des Unterrichtsflusses.

Nachdem uns einer unserer Leser in einer Diskussion auf Facebook auf das Thema gestoßen hatte, wollten wir uns dem Thema ausführlich widmen. Dabei haben wir auf Ihre Mithilfe gesetzt: Wir haben unsere Leser auf Facebook gefragt, welche Rituale sie in ihren Unterricht einfließen lassen und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben. Was sich dabei ergeben hat, möchten wir in diesem Artikel berichten.

Leistungssportler, Manager oder Politiker setzen auf ihre persönlichen Rituale, kleine Signale, um sich im entscheidenden Moment auf genau eine Sache konzentrieren zu können. Das Drehen des Ringes oder der unauffällige Kniff in die Schulter löst die mit professioneller Hilfe einstudierte Wirkung aus: Der Elfmeter wird sicher geschossen, Investor oder Wähler sehen einen selbstbewussten Auftritt. In Ihrem Unterricht gehen Sie noch einen Schritt weiter. Das Ritual ist schließlich nicht für Sie allein gedacht, sondern Sie kommunizieren es mit Ihren SchülerInnen.

Kommunizieren heißt, dass Sie Signale mit Ihren SchülerInnen absprechen sollten. Tun Sie es vergangenen Lehrergenerationen nicht gleich, indem Sie Rituale als Machtinstrument einsetzen. Wenn Ihre SchülerInnen zu Stundenbeginn aufstehen, sollte es Ihnen nicht vordergründig darum gehen, Ihre Autorität zu untermauern. Vielmehr helfen Sie mit solchen Signalen Ihrer Klasse: Rituale geben Struktur, leiten Konzentrationsphasen ein und können den Lernprozess unterstützen. Wenn Sie ein Zeichen für den Beginn einer Arbeitsphase einsetzen wollen, dann sprechen Sie mit Ihren SchülerInnen darüber und signalisieren Sie, dass Sie auch für Kritik offen sind. Ein gemeinsames Signal funktioniert dann am besten, wenn sich alle Beteiligten wohl und respektiert fühlen.

Das bedeutet auch, dass sie sich auf das Alter Ihrer Klassen einstellen sollten. Während Sie in der Grundschule zu Beginn des Unterrichts ein Lied singen können, tun sich SchülerInnen der Oberstufe schon mit Handzeichen schwer. Und der vielleicht wichtigste Ratschlag: Verlieren Sie nicht so schnell die Geduld. Es erfordert Zeit, ein Ritual einzuüben. Wenn Sie ein Handzeichen zum ersten Mal einsetzen, dann wird Ihre Klasse womöglich nicht gleich so ruhig, wie Sie sich das vorgestellt hatten. Wenn Sie allerdings über längere Zeit Arbeitsphasen stets mit einem bestimmten Zeichen oder Ton einleiten, dann sind Ihre Schülerinnen und Schüler es irgendwann gewohnt, genau auf dieses Signal hin Ruhe und Konzentration zu finden.

Zum Beginn der Stunde

Bei mir beginnt jede Englischstunde mit der Ansage des aktuellen Datums und des aktuellen Wetters, natürlich auf Englisch und mit Flashcards. Jede Stunde kommt ein anderer Schüler bzw. eine Schülerin zur Tafel. -Lenu Ga Ga

Ebenso verwende ich die ersten 5 Minuten im EWG-Unterricht für aktuelle politische/wirtschaftliche und sportliche Nachrichten. Die Schüler können dann unkommentiert sich untereinander schlagzeilenartig austauschen. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit klappt das sehr gut. Lasst den Schülern mehr Raum, die Lücke füllen sie nach anfänglichem Unverständnis von ganz alleine. -Björn Wilde

Zum Klassiker „Guten Morgen“ gibt es viele spannende Alternativen. Und warum sollten nicht die SchülerInnen selbst die Einleitung übernehmen. Besonders in den Fremdsprachen ist eine kleine Anmoderation durch einen Schüler oder eine Schülerin eine gute Idee. Leicht variiert ließe auf diese Moderation natürlich auch in anderen Fächern zurückgreifen: Ihren Sozialkundeunterricht könnten Sie beispielsweise mit aktuelle Nachrichten anmoderieren lassen. In der Oberstufe könnten Sie dem Moderator oder der Moderatorin gleich noch die Besprechung der Hausaufgaben überlassen.

Wenn Sie es vorziehen, das Heft in Ihrer Hand zu behalten, dann können Sie sich auch mit Variationen Ihrer Begrüßung begnügen. Machen Sie eine Lautstarke Begrüßung zu Ihrem Markenzeichen. Jüngere Klassen lassen sich bestimmt zu einem besonders lauten „Guten Morgen“ motivieren. Wenn Sie dazu noch ein wenig Bewegung ins Spiel bringen, kann das wahre Wunder bewirken.

In der Grundschule dürfte vielen der Morgenkreis geläufig sein. Zu Beginn jedes Schultages oder zu jeder Schulwoche geben Sie den Kindern Gelegenheit, über ihre Erlebnisse zu berichten. Ganz spielerisch lernen diese dabei, Dinge zu schildern und sich gegenseitig zuzuhören.

Ich habe mir in den Religionsstunden angewöhnt, die Stunde mit einem Lied/schönen Video zu beginnen. Werde das wieder runterfahren und für besondere Stunden aufheben, aber den Schüler hat es nach anfänglichem „Was will der von uns?“ sehr gefallen. Und ich meine jetzt nicht das Singen religiöser Lieder, das hat seinen eigenen Platz. Ich habe unter anderem Jonny Cash, The Doors, Reinhard Mey aber auch das Video: Best Marriage Proposal ever gespielt. Mit den neuen Gema-Regelungen wirds allerdings schwierig bis unmöglich. -Björn Wilde

Im Religionsunterricht ist das Singen eines Liedes zu Beginn auch ein ganz tolles Ritual. -Miri Wa

Jüngere SchülerInnen lassen sich auch außerhalb des Musikunterrichts zum gemeinsamen Singen animieren. Grade in der Grundschule haben viele Lehrer auch Lieder für verschiedene Anlässe wie Wochenabschluss, Ferien oder Geburtstage.

Einleitung und Abschluss von Arbeitsphasen

Ein schönes Ritual ist das Nutzen einer Klingel, um den SuS zu signalisieren, dass ein Arbeitsschritt beendet ist. -Miri Wa

Was für den Sportler der Ring ist, den er vor dem entscheidenden Moment dreht, könnte für Ihre Klasse der helle Ton einer Glocke sein. Ist das Signal erst einmal eintrainiert, dann können Sie es auch vor Klassenarbeiten einsetzen, um Ihren SchülerInnen das Eintauchen in die richtige Arbeitsatmosphäre zu erleichtern. Am Ende einer Arbeitsphase, einer Stunde oder einer Unterrichtsreihe hilft es, das Gelernte noch einmal zu besprechen, damit sich die SchülerInnen den eigenen Fortschritt vor Augen führen und Wissen festigen können.

Sanktionen

Gelbe und rote Karten. Die SuS nehmen es sportlich….;-) -Enrico Schniedero

Besonders dann, wenn das Arbeitsklima im Unterricht droht, außer Kontrolle zu raten, sind feste Rituale hilfreich. Nicht nur, dass Sie Ihre SchülerInnen so zur Ruhe bringen können, ein wirksames Signal gibt auch Ihnen als Lehrkraft Sicherheit. Dabei sollten Sie Wege finden, mit denen Sie und Ihre Klasse ebenso gut zurechtkommen. Gelbe und rote Karten mögen vor allem jüngere Klassen ansprechen. So, wie eine Klingel eine Arbeitsphase einleitet, könnten Sie diese auch als Ruhesignal verwenden, wenn die Klasse sich zu laut verhält. Anstelle von Sanktionen können auch Belohnungen für einen Motivationsschub sorgen. Achten Sie dabei allerdings darauf, weniger die Leistung als vielmehr den Einsatz der jeweiligen SchülerInnen zu messen. Lassen Sie Ihre SchülerInnen zum Beispiel regelmäßig sich selber Ziele setzen.

Fazit

Mit Ritualen lenken Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Schützlinge. So können Sie nicht nur zu Beginn für einen guten Start in die Stunde sorgen, sondern zwischendurch mit den richtigen Signalen Arbeitsphasen einleiten, für Ruhe sorgen und die Stunde mit einer Botschaft schließen. So helfen Sie Ihren SchülerInnen, mit den richtigen Voraussetzungen in die verschiedenen Phasen Ihres Unterrichts einzutauchen. Sie profitieren, indem Sie durch Routinen an Selbstsicherheit gewinnen und keine Energie in eine unkonzentrierte Klasse verschwenden.

Und was sind Ihre Rituale im Unterricht, was sind Ihre Erfahrungen? Gerne können Sie sich unserer Diskussion auf Facebook anschließen, schauen Sie doch einfach mal auf unserer Facebook-Seite vorbei.

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