Projektunterricht: Tipps für Projektarbeit in der Schule

Definition, Hinweise zur Durchführung und jede Menge Ideen und Beispiele aus der Praxis: Hier haben wir alles für projektbasiertes Lernen im Unterricht zusammengetragen.

Definition: Was ist Projektunterricht und wo liegen die Vorteile?

Projektunterricht bzw. projektbasiertes (manchmal spricht man auch von projektorientiertem) Lernen lässt sich als das eigenständige Bearbeitern einer Aufgabe oder eines Problems durch eine Gruppe im Rahmen des Unterrichts definieren. Von der Planung über die Durchführung bis zur Präsentation, folgt die Projektarbeit dabei festgelegten Meilensteinen.

Projektarbeit fordert die Schüler und verlangt viel von ihnen. Doch die Erfahrungen, die sie dabei machen sind wertvoll und die Lernfortschritte gewaltig. Zum einen werden sie zu Entdeckern und Analysten ihrer eigenen Arbeit. Sie lernen selbstständig, eigenverantwortlich und in der Gruppe zu arbeiten. Und zum anderen wachsen sie an dem interdisziplinären Charakter eines Projekts. Statt isolierter Einzelaspekte erkennen sie Zusammenhänge und eignen sich Kompetenzen, Methoden, Inhalte und Perspektiven aus den verschiedensten Fächern an. Dazu machen sie die wichtige Erfahrung, Rückschlägen zu verarbeiten und zu überwinden– denn auch sie gehören zu jedem Projekt dazu. Sei es für ein Studium oder den Beruf – dies sind alles Vorteile für das spätere Leben.

Die thematischen Möglichkeiten zur Projektarbeit in der Schule sind schier unerschöpflich. Seien es Weihnachtsgeschenke für Flüchtlingskinder, ein Theaterstück über Albert Einstein,  ein Konzept für den Schulgarten, eine Auseinandersetzung mit Cybermobbing an der Schule oder eine Dokumentation über die Erfahrungen der Großeltern im Dritten Reich – der Fantasie und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Doch wie geht man als Lehrkraft am besten an ein Projekt heran und schafft es, dass die Schüler den Projektunterricht mit ihren Ideen vorantreiben und dabei strukturiert arbeiten?

In 7 Schritten zu einem erfolgreichen Projektunterricht: Phasen der Projektarbeit

Wer eine Projektarbeit in der Schule durchführen möchte, sollte einen klaren Etappenplan vor Augen haben und diesen den Schülern vermitteln. Mit den folgenden sieben Schritten kannst du die Projektarbeit gliedern und Orientierung während der Planung geben:

1. Die Projektinitiative: Jedes Projekt beginnt mit einem ersten Impuls: der Projektinitiative. Dies kann eine Idee sein, ein Wunsch, ein Problem oder eine Aufgabe. Sie kann von den Schülern wie den Lehrern eingebracht werden.

2. Die Projektskizze: Nun wird aus den vielen verschiedenen Vorschlägen einer ausgewählt und in der Folge präzisiert. Am Ende dieses Arbeitschrittes sollte eine erste, von den Schülern entwickelte, Projektskizze stehen.

3. Der Projektplan: Aus der Skizze wird ein Arbeitsplan. Es werden das Projektziel und ein Zeitrahmen festgelegt sowie die Aufgaben verteilt.

4. Die Ausführung: Die Schüler setzen den Plan um. Sie kümmern sich eigenverantwortlich und selbstständig um die Erledigung ihrer Aufgaben.

 5. Die Prüfung: Das Team setzt sich immer wieder zusammen und kontrolliert, ob und wie die vereinbarten Ziele erreicht wurden.

6. Der Abschluss und die Präsentation: Das Projekt wird zu Ende gebracht und die Ergebnisse von den Projektteilnehmern präsentiert. Zum Beispiel bei einem Klassen- oder Schulfest oder am Tag der offenen Tür.

7. Die Reflexion: Die Schüler lassen das Projekt Revue passieren, verständigen sich darüber was gut, was schlecht gelaufen ist und arbeiten die Konflikte auf, die während des Projekts auftraten.

Es gibt verschiedene Phasenmodelle und oft ist es die Beschaffenheit des Projekts, welche die Struktur der Zusammenarbeit bestimmt. Weitere Phasenmodelle zur Projektarbeit findest du hier.

 

Handreichungen Unterrichtsmaterial Projektarbeit

Weiterführende Handreichungen und jede Menge Unterrichtsmaterial gibt es in der meinUnterricht-Bibliothek.

Für einen inspirierenden Projektunterricht: Beispiele aus der Praxis

Aber nun von der Theorie zur Praxis. Die Möglichkeiten zur Projektarbeit sind so vielfältig wie das Leben selbst. Den Ausgangspunkt bilden in der Regel eher allgemein formulierte Themenvorschläge, aus denen sich dann konkrete Ideen herausschälen. Wir haben ein bisschen gestöbert und sind auf einige beeindruckende Projekte gestoßen …

 

Mit einem Filmprojekt auf soziale Probleme aufmerksam machen

Warum nicht einen Film zu einem gesellschaftlich wichtigen Thema drehen? Diese Schule in Hamburg macht es vor. Glück ist eine Illusion heißt der Spielfilm, der das Thema Kinderarmut in den Fokus nimmt. Der Film handelt von einer 15 Jahre alten Schülerin, die mit ihrer Mutter, einer Alkoholikerin, und zwei Schwestern in einer Plattenbausiedlung lebt und mit Ausgrenzung und Überforderung zu kämpfen hat. Die Low-Budget-Produktion entstand nach der Lebensgeschichte einer Schülerin. Das Drehbuch wurde von der Lehrerin Doro Kleffner gemeinsam mit Schülern der 9. und 10. Klasse entwickelt. Mit Hilfe des Filmemachers Marc Witkowski wurde die Geschichte realisiert. Schülern und Lehrer der Schule wirkten als Schauspieler mit oder engagierten sich in verschiedenen Funktionen hinter der Kamera.

Umweltbelastung und Gesundheit zum Thema einer Projektwoche machen

„Wir wollen eine leise Schule werden“, hat sich die Grundschule Nord in Leopoldshöhe auf die Fahnen geschrieben. Lärm ist eine Umweltbelastung, die die Nerven vieler Menschen stark strapaziert. Daher hat die Schule „Lärm“ zum Thema einer Projektwoche gemacht. Die Kinder achteten auf Geräusche in der Umwelt und in der Schule; sie fragten sich, was Lärm ist und wie man sich davor schützen kann; sie lernten den Aufbau des menschlichen Ohres kennen, führten ein Hör-Tagebuch und machten Versuche mit Schall.

Mit sozialer Projektarbeit für ein gutes Miteinander und gegen Rassismus eintreten

Schülerinnen und Schüler in Bayern stellten im vergangenen Schuljahr im Rahmen eines Wettbewerbs vielfältige Projekte auf die Beine, um Flüchtlingen zu helfen. Unter dem Motto „Learn Support Refugees – Schüler für Integration und Solidarität“ nahmen insgesamt 76 Schulen an dem Wettbewerb teil.

Eine der Schulen, die ausgezeichnet wurden, war die Aloys-Fischer-Schule in Deggendorf, die verschiedene schöne Projekte in ihrer Region durchführte. So sammelten die Schülerinnen und Schüler einen Kleinbus voller warmer Kleidung, um die an der Grenze ankommenden Flüchtlinge für den kalten Winter auszustatten. Außerdem führten sie eine Weihnachtspäckchenaktion für Flüchtlingskinder in ihrem Landkreis durch und setzten ein Zeichen für Frieden und mehr Toleranz mit einem Friedens-Zeichen aus Hunderten von Kerzen.

Mit Projektarbeit das Unternehmer-Gen der Schüler stärken 

Welche Dynamik ein einmal gestartetes Projekt entwickeln kann, zeigt die Schülergenossenschaft SGS des Städtischen Gymnasiums in Selm. Im Jahr 2012 gegründet, stellt die Schülergenossenschaft regionale Produkte her, um das „Wir-Gefühl“ ihrer Heimatstadt zu stärken. Die Schüler der achten bis zwölften Klasse treffen sich einmal in der Woche in den Räumen ihrer Schule und planen die nächsten Produkte (zu denen z.B. Buttons, Schlüsselanhänger und Taschen, vertrieben über einen eigenen Online-Shop, gehören), informieren sich über aktuelle Zahlen und stimmen die nächsten Verkäufe und Investitionen ab. All das passiert neben dem eigentlichen Schulalltag und in Eigenverantwortung der Schüler.

Projektunterricht zum Thema Heimat: Einen Reiseführer herstellen

Eine charmante Idee entwickelten die Schüler und Lehrkräfte dieser Schule: Sie kreierten einen Reiseführer für ihre Heimatstadt Thum. Stolze 50 Seiten umfasst das Werk. Die Schülerinnen und Schüler recherchierten dafür überall vor Ort, machten Fotos und schrieben die Texte. Wanderkarten sind zum Beispiel darin zu finden, aber auch praktische Infos wie die Öffnungszeiten der Arztpraxen und von öffentlichen Einrichtungen. Erhältlich ist der Reiseführer in 5 Sprachen.