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Klassenfahrt planen: So geht’s richtig

Die erste Klassenfahrt als Lehrkraft steht an? Für die Lehrperson gibt es schon jede Menge zu planen und zu organisieren, während die SuS noch ganz andere Sachen im Kopf haben. Und was passiert eigentlich, wenn es während der Klassenfahrt nur regnen sollte?

Die Klassenfahrt-ExpertenInnen von HEROLÉ haben für uns einen Gastbeitrag verfasst, der Schritt für Schritt durch die einzelnen Planungsschritte führt und alles auflistet, woran dabei gedacht werden sollte. Passende Pack- und Checklisten gibt es in der meinUnterricht.de-Bibliothek.

 

Damit die Klassenfahrt ein voller Erfolg wird und nicht im Chaos endet, ist eine sorgfältige und gründliche Planung unverzichtbar. Je früher mit der Planung begonnen wird, umso besser. Idealerweise beginnen die ersten Vorplanungen bereits ein Jahr vor dem geplanten Termin. Findet die Klassenfahrt zum Beispiel zum Ende des 9. Schuljahres im Frühling statt, sollte vor dem Ende des 8. Schuljahres die Planung beginnen. Zur Planung der Klassenfahrt gehören die folgenden Schritte:

– Richtlinien der Bundesländer
– Wahl des Reiseziels
– Finanzierung
– Versicherungen
– Planung des Programms
– Packlisten

Wie stark die Eltern in die Vorbereitung mit einbezogen werden, hängt vom Alter der Schüler ab. Bei jüngeren Schülern ist es sinnvoll, zwei Elternabende zu veranstalten: Einen ersten in der frühen Planungsphase um potenzielle Reiseziele und Aktivitäten zu erörtern. Gerade bei Klassenfahrten mit sportlichen Aktivitäten gehen die Vorstellungen der Schüler, welche Abenteuer sie gerne erleben möchten, und der Eltern, was sie ihren Sprösslingen zutrauen, oft weit auseinander. Dann müssen Kompromisse gefunden werden. Bei einem frühen Elternabend können auch allgemeine Fragen zur Finanzierung geklärt werden, z.B. auch zu potenziellen Zuschüssen für finanzschwache Familien.

Im späteren Verlauf der Planung sollten die Eltern dann generell einmal zusammengerufen werden um das Programm zu besprechen. Bei dieser Gelegenheit können sie auch gleich die Einverständniserklärung(en) abgeben.

Klassenfahrt planen: Einladung 1. ElternabendGleich zu Beginn der Planung sollten die Eltern zu einem ersten Elternabend eingeladen werden, um die Rahmenbedingungen der Klassenfahrt zu klären. Diese und weitere Druckvorlagen zum Thema können kostenfrei aus der meinUnterricht.de-Bibliothek heruntergeladen werden.

 

Die Richtlinien der Bundesländer für Klassenfahrten

Warum stehen diese an erster Stelle? Ganz einfach: Jedes der 16 Bundesländer gibt seine eigenen Rahmenbedingungen für Klassenfahrten vor. Diese regeln zum Beispiel wie lange eine Klassenfahrt dauern darf und was sie maximal kosten darf. Schließlich wäre es ärgerlich, wenn die bereits minutiös geplante Klassenfahrt letztendlich platzen müsste, weil die Kosten pro Schüler den Rahmen des Bundeslandes um 5,-€ übersteigen. Die Regelungen der einzelnen Bundesländer sind hier nachzulesen.

 

Die Wahl des Reiseziels

Der wohl wichtigste Punkt für das Gelingen der Klassenfahrt ist die Wahl des passenden Reiseziels. Für jüngere Schüler sind Ziele in der näheren Umgebung empfehlenswert, wo sie sich nicht so fern der Heimat und der Familie fühlen. Überall in Deutschland gibt es passende Reiseziele von den Küsten an Nord- und Ostsee über schöne Mittelgebirge wie die Eifel und den Schwarzwald bis zu den Alpen. Auf Wunsch können erlebnispädagogische Programme gebucht werden, die die Schüler mit so viel Spaß und Action beschäftigt halten, dass keine Langeweile und schon gar kein Heimweh aufkommen.

Schüler der Mittelstufe zieht es meist in größere Städte, zum Beispiel in die Hauptstadt Berlin, in die bayerische Metropole München, die Medienstadt Köln oder das maritim geprägte Hamburg. Die Städte bieten eine großartige Mischung aus lehrreichen Museen, Gruppenaktivitäten und Freizeitspaß. Je nach Heimatort kann auch das benachbarte Ausland in Frage kommen. So reisen Schulklassen aus dem Westen Deutschlands zum Beispiel gerne nach Amsterdam oder in die EU-Hauptstadt Brüssel oder Klassen aus dem Süden nach Österreich.

In der Oberstufe ist dann fast immer eine Auslandsfahrt angesagt, zum Beispiel ans sonnige Mittelmeer mit Zielen in Italien, Spanien oder Südfrankreich. Doch je nach Schwerpunkt der Kurse kommen auch viele weitere Ziele in anderen europäischen Ländern von Irland bis Lettland und von Schweden bis Malta in Frage. Hier gilt es abzuwägen, was den Interessen der Schüler und den Lehrplänen am ehesten entgegenkommt. Für Englisch-Leistungskurse sind Ziele wie London oder Dublin meist die erste Wahl, während es Latein-Kurse nach Rom zieht und Geschichtskurse auf eine Griechenland-Rundreise. Biologie-Leistungskurse lieben spezielle Fahrten mit meeresbiologischen Workshops im Mittelmeer.

Zusätzlich zu den Jahrgangsklassenfahrten werden häufig auch zusätzliche Schülerreisen geplant, zum Beispiel winterliche Ski-Klassenfahrten in die Alpen oder ins Erzgebirge oder Sprachreisen nach Großbritannien Frankreich oder Spanien. Auch diese wollen sorgfältig geplant und auf die Interessen der Schüler abgestimmt werden. Glaubt der Lehrer zum Beispiel, dass die Klasse zu jung und ungestüm für eine turbulente Metropole wie London ist, könnte die Sprachreise nach Brighton oder Oxford führen. Von dort sind dann leichter durchzuführende Tagesausflüge nach London möglich.

 

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->Bus, Bahn oder Flugzeug?

Bei der Wahl des Reiseziels ist natürlich auch die Anreise zu beachten. Innerhalb Deutschlands und in die Nachbarländer ist der gemietete Reisebus meist die günstigste Option. Er hat gegenüber der Bahn weitere Vorteile wie die individuelle Abreise vom Schulhof aus (die auch auf verspätete Schüler Rücksicht nimmt) und die Anreise direkt bis zur Tür der gebuchten Unterkunft. Die Bahn kann jedoch bei Punkt-zu-Punkt Verbindungen zwischen größere Städte enorme zeitliche Vorteile bieten.

Zu weiter entfernt liegenden Zielen am Mittelmeer oder auf den britischen Inseln präsentiert sich das Flugzeug meist als praktischste Reisemöglichkeit. Hier ist natürlich das Kosten-Nutzen-Verhältnis abzuwägen. Gingen auf einer Klassenfahrt nach Rom zwei ganze Tage für die Hin- und Rückfahrt im Bus verloren, ist der zweistündige Flug sicher die bessere Wahl um mehr Zeit für Besichtigungen vor Ort zu haben.

 

Die Finanzierung von Klassenfahrten

Während manche Familien die geplante Klassenfahrt zahlen ohne mit der Wimper zu zucken, stellt die Finanzierung für andere Familien eine große Hürde dar. Es ist daher sinnvoll, sich rechtzeitig vor dem ersten Elternabend mit diversen Finanzierungsmöglichkeiten zu befassen. So übernimmt die ARGE beispielsweise die Kosten für eine mehrtägige Klassenfahrt, wenn die Eltern des betreffenden Schülers auf Hartz IV angewiesen sind. Daneben bieten einzelne Landkreise oft finanzielle Unterstützung an und örtliche Unternehmen treten als wohltätige Sponsoren auf. Ein Sonderfall sind Klassenfahrten nach Berlin: Hier ist es möglich, eine Förderung durch den Bundesrat zu erhalten, wenn dieser oder eine andere Stätte für politische Bildung im Rahmen der Klassenfahrt besucht wird.

Weiterhin steht es der Klasse frei, eigene Sparmöglichkeiten zu finden und z.B. eine günstigere Unterkunft mit Selbstverpflegung statt eines Hostels mit Halbpension zu buchen. Viele Klassen tragen auch durch kreative Aktionen selbst zur Finanzierung bei, zum Beispiel durch Kuchen- oder Keksverkauf in der Schule oder Gemeinde. 

Klassenfahrt planen: Mengenangaben für SelbstversorgerWieviel Kartoffeln braucht man, um für 10 Personen Kartoffelbrei zu kochen? Hier geht es zum kostenfreien Download für diese Übersicht. 

Versicherungen – Welcher Schutz wird für Klassenfahrten gebraucht?

Ohne Versicherung geht es nicht. Generell sind die Teilnehmer von Klassenfahrten zwar durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt, doch dieser umfasst nur die gemeinsamen schulischen Aktivitäten. Wird ein Schüler zum Beispiel in den Freizeitstunden von einem Auto angefahren, weil er achtlos auf eine Straße trat, gilt der Versicherungsschutz meist nicht. Es lohnt sich daher, vorab mit den Eltern deren Versicherungssituation zu besprechen und ihnen ggf. eine private Unfallversicherung zu empfehlen. Weiterhin sollten Eltern über eine Haftpflichtversicherung verfügen, die bei Bedarf durch das Kind verursachte Sachschäden abdeckt, z.B. wenn der Fußball durch eine Fensterscheibe der Jugendherberge geschossen wird.

 

Planung des Programms einer Klassenfahrt

Ist das Ziel für die Klassenfahrt gefunden und die Rahmenbedingungen wurden geklärt, kann es an die eigentliche Programmplanung gehen. Hier können die Schüler wunderbar in Projekte eingespannt werden, zum Beispiel in dem eine Gruppe die Sehenswürdigkeiten des Reiseziels recherchiert, eine andere Gruppe potenzielle sportliche Gruppenaktivitäten, eine dritte Gruppe Ausflugsziele in der Nähe, usw.

Wichtig für die Planung: Das Programm sollte nicht überfrachtet werden. In einer größeren Gruppe dauert alles etwas länger und die Schüler müssen genug Zeit haben, das Gesehene zu verarbeiten. In großen Museen wie dem Deutschen Museum in München oder auf der Museumsinsel in Berlin ist es daher sinnvoller, sich auf einen bestimmten Themenbereich mit Bezug zum Unterricht zu konzentrieren. Nach einem dreistündigen Stadtspaziergang mit Besichtigungen sollte erst einmal eine längere Pause anstehen.

Sollen kulturelle Veranstaltungen auf dem Programm stehen, zum Beispiel ein Theater- oder Musicalbesuch, ist es sinnvoll, die Eintrittskarten vorab zum Schulklassentarif zu bestellen. Viele Theater bieten auch Zusatzprogramme wie Workshops, Gespräche mit Schauspielern und Regisseuren oder einen Blick hinter die Kulissen des Theaterbetriebs an.

Zu einer Klassenfahrt gehört auch Freizeit, in der die Schüler (oft zum ersten Mal im Leben) auf sich selbst gestellt sind. Bei jüngeren Schülern genügen oft schon 1-2 Stunden Freizeit in einem kleinen Städtchen um selbständig Snacks zu kaufen, ein Eis zu essen oder sich einfach besser kennenzulernen. Bei älteren Schülern stehen meist eher Shopping und abendliches Ausgehen auf dem Programm.

 

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-> Die Klassenfahrt am Abend

Die abendliche Freizeitgestaltung ist einer der größten Reizpunkte bei Klassenfahrten. Hier prallen auch extrem unterschiedliche Elternvorstellungen aufeinander: Die einen haben keine Probleme damit, dass der Nachwuchs bis Mitternacht um die Häuser ziehen möchte, die anderen erwarten, dass die Schüler um 22 Uhr im Bett liegen. Hier gilt es Kompromisse zu schließen. Eine Schülerdisco oder eine abendliche Grillparty auf dem Hof der Jugendherberge ist für jüngere Schüler meist genauso erfüllend wie abendliches Herumziehen auf eigene Faust.

Dazu darf das Jugendschutzgesetz nicht außer Acht gelassen werden. Am besten werden bereits vor der Klassenfahrt konkrete verbindliche Regelungen zum Beispiel zu Alkohol und zu Drogen getroffen. Den Schülern muss klargemacht werden, dass z.B. Drogen tabu sind und Drogengebrauch mit sofortiger Heimreise geahndet wird. Darauf werden auch die Eltern hingewiesen (die bei Bedarf für die Kosten der vorzeitigen Heimreise aufkommen müssten).

-> Schlechtwetteralternativen

Die geplante Wanderung fällt buchstäblich ins Wasser weil es anhaltend regnet? Wie gut, wenn rechtzeitig Schlechtwetteralternativen geplant wurden. Dies können zum Beispiel Ausflugsziele im Trockenen sein wie Museen oder Spaßbäder. Gerade für jüngere Schüler sollten außerdem verschiedene Gruppenspiele vorbereitet werden. Dann genügt ein Gruppenraum in der Jugendherberge um einige unterhaltsame Stunden bei verschiedenen Spielen zu verbringen. Ältere Schüler ziehen es dagegen meist vor, sich selbst zu beschäftigen.

 

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Einverständniserklärungen, Packlisten und Checklisten für die Klassenfahrt

Endlich ist es soweit: Das Programm steht, die Eltern haben das Geld überwiesen und der Abreisetag rückt näher. Nun wird es an der Zeit Packlisten auszuhändigen. Manche Schüler mögen bereits versierte „Reiseprofis“ sein, die jedes Jahr 1-2x mit ihren Eltern unterwegs sind und genau wissen, was sie mitnehmen wollen. Andere Schüler werden damit jedoch überfordert sein. Eine Packliste bietet die Sicherheit, dass nichts vergessen wird. Dazu gehören neben Kleidung und Schuhen z.B. der Personalausweis und Informationen zur Krankenkasse, sowie eventuell benötigte Medikamente. Sind bestimmte Freizeitaktivitäten wie der Besuch eines Schwimmbades oder eines Badesees geplant, müssen natürlich auch Badesachen mitgenommen werden. Der Lehrer sollte für sich selbst ebenfalls eine Packliste zusammenstellen. Wichtig sind zum Beispiel eine Liste, die z.B. alle Telefonnummern und Adressen der Eltern enthält und ein kleines Erste Hilfe-Set für Notfälle vom aufgeschürften Knie bis zum Wespenstich.

Klassenfahrt planen: Einverständniserklärung Vorlage

 

Ganz wichtig: Spätestens einen Monat vor der Abreise sollten alle Einverständniserklärungen der Eltern vorliegen. Was viele nicht wissen: Sind sportliche Aktivitäten während der Klassenfahrt geplant, müssen die Eltern ihr ausdrückliches Einverständnis zur Teilnahme ihres Kindes geben (hier geht es zur Vorlage dafür). Dies gilt nicht nur für riskante Sportarten wie Skilaufen, sondern auch für scheinbar alltägliche Aktivitäten wie Schwimmen und Radfahren. Dazu sollten die Eltern weitere Informationen zur Verfügung stellen, die während der Klassenfahrt berücksichtigt werden müssen, z.B. zu Allergien und Unverträglichkeiten des Kindes.

Dies klingt jetzt alles sehr aufwändig, doch so aufwändig ist es nicht – vor allem, wenn ausreichend Zeit eingeplant wird. Alle wichtigen Punkte und Termine sind in dieser praktischen Checkliste noch einmal übersichtlich zusammengefasst. Gute Reise!

Klassenfahrt planen: Checkliste Organisationen

 

Weitere Vorlagen für Packlisten & Einverständniserklärungen finden Sie in der meinUnterricht.de-Bibliothek zum kostenfreien Download aufgelistet.

Weitere Tipps und Hinweise zum Thema Klassenfahrt planen gibt hier auf dem HEROLÉ Blog