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Binnendifferenzierung

Die Binnendifferenzierung ist eine pädagogische Methode, um die individuelle Förderung aller Lernenden in einer Klasse sicherzustellen. Es handelt sich also um eine Differenzierung von Schülern, Schülerinnen oder Schülergruppen nach gewissen Merkmalen.

Beispiele für Merkmale der Binnendifferenzierung:

  • Alter
  • Entwicklungssstand
  • fachliche Interessen
  • vorhandes Vorwissen

Heute wird unter Binnendifferenzierung oft die Umsetzung von Inklusion innerhalb eines Klassenverbandes verstanden. Der lehrerzentrierte Frontalunterricht von früher steht im Widerspruch zur Binnendifferenzierung, da er die einzelnen Bedürfnisse der SuS nicht berücksichtigt. Erst Vielfalt im Lernen ermöglicht ein lebendiges Schulwesen – so die Philosophie. Ein identischer Wissenstand aller SuS ist auch nicht mehr das Ziel, stattdessen geht es um Erfolgserlebnisse im individuellen Lernprozess.

Zwei Mädchen zeichnen in einem Klassenraum.

© Pragyan Bezbaruah / Pexels

Wie setze ich Binnendifferenzierung um?

Heute sind Lehrpläne vermehrt kompetenz- statt inhaltsorientiert. Konkret heißt das: der Output ist wichtiger als der Input, die Zielsetzungen messen sich am Schülererfolg. Es geht nicht darum, den zu vermittelndem Stoff durchzupauken, sondern ein positives Lernergebnis bei den SuS zu erzielen.

Auf dem Papier klingt das gut, doch eine outputorientierte Pädagogik erfordert natürlich einen viel größeren Aufwand als Frontalunterricht. Es müssen entsprechende Ressourcen bereitstehen, um den Zielen der Binnendifferenzierung auch gerecht zu werden; in der Planung, in der Durchführung und in der Analyse. Dieser Punkt ist sehr wichtig, denn sonst besteht schnell die Gefahr der Überlastung und Überforderung von Lehrkräften und Lernenden zugleich.

Hier sind einige Beispiele, welche Ressourcen für die Binnendifferenzierung besonders wichtig sind:

  1. Kleinere Klassengrößen
  2. Zusätzliches Lehrpersonal
  3. Schulinterne Expertinnen und Experten
  4. Ganztagsbetreuung
  5. Räumliche Gestaltung
  6. Technische Ausstattung

Gehen wir auf die einzelnen Punkte nun genauer ein und klären, inwiefern sie zur Binnendifferenzierung beitragen können. Doch vorher schau dir dieses Video an, es zeigt dir eindrücklich wie Binnendifferenzierung in der Praxis aussehen kann.

1. Kleinere Klassengrößen

Dieser Punkt ist fast schon selbsterklärend: je kleiner der Klassenverband, desto besser kannst du auf die einzelnen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen. Auch sinkt der Geräuschpegel und zurückhaltende SuS haben eher die Chance sich zu beteiligen oder ihre Probleme und Wünsche zu kommunizieren.

Die Einbindung von stärkeren (oder älteren) Schülern bei der Vermittlung von Inhalten an schwächere (oder jüngere) Schüler ist ebenfalls eine Methodie, die im kleinen Klassenverband besser funktioniert.

2. Zusätzliches Lehrpersonal

Das Prinzip „mehr Augen sehen mehr“ wird in vielen Schulen bereits erfolgreich angewendet; beispielsweise durch Team-Teaching oder Einzelförderung (sowohl im Unterricht als auch nachgelagert). Fakt ist: jede zusätzliche Lehrkraft oder Assistenz erleichtert die Umsetzung von Binnendifferenzierung. Allerdings stoßen die Ressourcen hier schnell an ihre Grenzen, denn zusätzliches Personal muss erstmal gefunden und finanziert werden.

Eine Lehrerin schaut zwei Schülerinnen beim Malen mit einem Tuschkasten zu.

© Yan Krukov / Pexels

3. Schulinterne Expertinnen und Experten

Eine weitere Möglichkeit ist es, an Schulen eine eigene Person für die Umsetzung der Binnendifferenzierung einzustellen. Diese dient dann den Lehrkräften als Ansprechpartner/-in und kann bei Problemen gemeinsam mit Pädagog/-innen und den Kindern nach Lösungen suchen.

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4. Ganztagsbetreuung

In vielem Modellen der Ganztagsbetreuung ist Zeit für individuelles Lernen fest eingeplant. Sie setzt einen bewussten Kontrast zum getakteten Stundenunterricht und ermöglicht es den SuS, relativ frei am Lernort Schule ihren Interessen nachzugehen und sich das Lernen auch selbst einzuteilen.

5. Räumliche Gestaltung

Auch nicht-personenbezogene Investitionen spielen eine Rolle. Das Schaffen von Lernorten, an denen SuS nach eigenem Gusto individuell oder in Kleingruppen lernen können, fördert die Differenzierung. Multifunktionale Räume mit Rückzugsmöglichkeiten statt Klassenzimmern mit starren Sitzordnungen geben hier die Richtung vor.

Auch das Zuhause als Lernort kann gestärkt werden. Das Konzept des „umgedrehten Klassenzimmers“ (engl.: flipped classroom) basiert darauf, dass Schüler zuhause neuen Stoff in eigenem Tempo und mit Unterstützung selbstgewählter Lernmaterialien erarbeiten. Die Lehrkraft analysiert und festigt in der ihr zur Verfügung stehenden Zeit die Fortschritte. So dreht sich auch die Rolle des Lehrenden um – anstelle des Unterrichtens tritt ein analytisches Testing und Coaching.

6. Technische Ausstattung

Technologie spielt bei jeder der drei Phasen der Binnendifferenzierung – Planung, Durchführung, Analyse, eine entscheidende Rolle. Technologie führt zumeist zur Einsparung von Zeit, Kosten oder anderen Ressourcen. Technologieprodukte (wie die vom Bildungsministerium der Stadt New York entwickelte Mathematiksoftware School of One) erlauben es dem Lehrer, mit begrenzten Mitteln verschiedene Schülergruppen (oder gar jeden einzelnen Schüler) differenziert anzusprechen und zu fördern. Software wie Socrative ermöglicht es Lehrerinnen und Lehrern, die Reaktion der SuS auf  Aufgaben und Spiele via Smartphone, Laptops und Tablet-PCs zu messen – individuell und in Echtzeit.

Mit meinUnterricht setzen wir im Bereich der Vorbereitung an und schaffen Lehrkräften Zugang zu zehntausenden von digitalisierten Unterrichtsmaterialien aus bekannten Fachverlagen. NutzerInnen sparen Zeit und finden auch inhaltlich eine große Bandbreite an Material, mit denen sie den Unterschieden ihrer Schülerinnen und Schüler gerecht werden können.

Ein Mädchen steht vor einer Tafel mit einem Zeichenblock und schaut nachdenklich zur Seite.

© Julia M Cameron / Pexels

Was sind die Ziele der Binnendifferenzierung?

Die Binnendifferenzierung ist Ausdruck von Veränderungen in unserer Gesellschaft. Zwei Antworten geben einen Eindruck davon, warum Binnendifferenzierung so wichtig ist.

  1. Demographische Umwälzungen verändern auch das Schulwesen signifikant: klassische Schulformen wie Hauptschule, Realschule, Gymnasium werden immer weiter zusammengelegt und die Schülerschaft dadurch immer heterogener. Die Chancen auf Bildungsgerechtigkeit steigen gleichzeitig und genau hier muss die Binnendifferenzierung ansetzen. Dafür zu sorgen, dass gerade bei großen Unterschieden zwischen den SuS jeder individuelle Lernerfolge erzielt, darin liegt das wichtigste Ziel der Binnendifferenzierung.
  2. Die zweite Antwort liegt in einer im Wandel begriffenen Umwelt und einem sich immer schneller verändernden (und in großen Teilen globalisierten) Arbeitsmarkt. Der vermeintlich abgedroschene Spruch „Lehrer von gestern bringen Schülern von heute Dinge bei, die sie morgen benötigen werden“ hat durchaus sein Berechtigung. Aus einer landwirtschaftlich und industriell geprägten Wirtschaft ist eine Informationsökonomie geworden, und es liegt auf der Hand, dass wir die Bürger/-innen und Arbeitskräfte der Zukunft nicht mit den industriellen Methoden der Vergangenheit ausbilden dürfen.

Auch dieses YouTube-Video fasst die Vorzüge der Binnendifferenzierung noch einmal gut und humorvoll zusammen.


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