“Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir.” Dieses Sprichwort kennt fast jeder. Doch was steckt hinter dieser Alltagsweisheit? Auf jeden Fall, dass Lernen noch viel mehr ist als die Hauptstadt von Uruguay oder die Wurzel aus 49 zu kennen. Lernen heißt, angeeignetes Wissen auch anwenden zu können. Das Zauberwort dafür ist Kompetenz.

Seit einigen Jahren weht in schulischer Methodik und Didaktik ein neuer Wind: Kompetenzorientierung ist das Gebot der Stunde. Doch oft stehen direkt dahinter viele Fragezeichen. In diesem Blogbeitrag möchten wir dir daher zeigen, welche Kompetenzen in der Schule relevant sind, wie sie erlernt werden und dir einige Arbeitsmaterialien zur Kompetenzentwicklung vorstellen.

Kompetenzen vs. Wissen

In unserem Schulsystem stand lange die Vermittlung von Wissen im Vordergrund, vor allem in den höheren Klassenstufen. Manchmal salopp als “Stoff” bezeichnet, strukturierten diese fest definierten Inhalte den Unterricht und das gesamte Schuljahr. Lernen wurde anhand von Zeitvorgaben definiert, also für wie viele Stunden ein bestimmter Inhalt im Unterricht behandelt werden soll. Nur sagt allein die Zeit nichts darüber aus, ob und wie viel deine SuS tatsächlich gelernt haben. Kurz gesagt: das zeitbasierte Lernen stellt die Inhalte in den Vordergrund, nicht die SuS.

Zeitbasiertes Lernen und kompetenzbasiertes Lernen

Beim kompetenzbasierten Lernen hingegen wird solange gelernt, bis alle SuS die entsprechenden Kompetenzen erlangt haben. Sprich, bis diese die gelernten Inhalte selbstständig wiedergeben und anwenden können. 

Zur Verdeutlichung noch ein Beispiel, das zeigt, wie unterschiedlich Lernziele bei beiden Modellen formuliert werden:

  • Zeitbasiertes Lernen – Chronologische Geschichte des deutschen Kolonialismus während der Kaiserzeit
  • Kompetenzbasiertes Lernen – Die Sus können das Phänomen des deutschen Kolonialismus beschreiben, Ursachen nennen und gesellschaftliche Folgen aufzeigen

Du siehst, dass das Lernziel beim kompetenzbasierten Lernen viel breiter ist. Es setzt auf Verknüpfungen, Zusammenhänge und Eigeninitiative statt nur Zahlen und Fakten zu lernen.

Kompetenzorientierung in der Schule

Kompetenzen sind demnach eine Querschnittsaufgabe, sie sind Fähigkeiten, die in vielen Situationen hilfreich und auch später im Arbeitsleben wichtig sind. Sie werden ständig erlernt, verfeinert oder in Frage gestellt – oft beiläufig und unabsichtlich.

Kompetenzen sind also wichtiger als Wissen, denn dieses kann man schnell wieder vergessen. Eine einmal gut erlernte Kompetenz jedoch, die bleibt meistens für immer. Kein Wunder, dass Kompetenz im Zusammenhang mit Bildung und Schule in aller Munde ist und man heute oft von Kompetenzorientierung in der Schule liest. Welche Arten von Kompetenzen damit aber genau gemeint sind, das erfährst du im nächsten Abschnitt.

Welche Kompetenzen gibt es im Unterricht?

Kompetenzmodelle gibt es wie Sand am Meer. Daher ist es schwierig, hier eine allgemeingültige Systematik vorzustellen. Entscheidend ist aber unserer Meinung nach, welche Kompetenzen wirklich im Unterricht und Schulalltag weiterhelfen und für die SuS sinnstiftend sind.

Dazu haben wir uns ein Video vom Online-Nachhilfelehrer Christian Kißler ausgesucht, der fünf Formen von Kompetenz im Unterricht sehr anschaulich vorstellt.

Zum Nachlesen und Verinnerlichen (Stichwort Handlungskompetenz 😉) haben wir die fünf Kompetenzformen im Unterricht für dich noch einmal zusammengefasst.

1. Wissenskompetenz

Bei der Wissenskompetenz geht es um die Fähigkeit, Wissen zu erwerben und wiedergeben zu können. Die Anwendung des Wissens spielt noch keine Rolle, daher ist im Video auch von “totem” Wissen die Rede. Wer nur Wissenskompetenz erwirbt, vergisst schnell wieder, was er gelernt hat, z. B. beim Auswendiglernen. Wichtig ist sie aber dennoch, denn besonders die Handlungskompetenz baut auf ihr auf.

2. Handlungskompetenz

Die Handlungskompetenz beschreibt die Anwendung von erworbenem Wissen. In der Schule sollte Handlungskompetenz aber immer auf Wissenskompetenz aufbauen. Das Wissen ist der Input, die Handlung der Output, also die Fähigkeit der SuS, das Gelernte zu demonstrieren. Das bezeichnet man auch als Lernziel. Manchmal kann man aber etwas auch aus dem Bauch heraus, einfach aus Erfahrung oder Gewohnheit. Es gibt demnach ebenso eine Handlungskompetenz ohne Wissenskompetenz. 

3. Methodenkompetenz

Wer eine Vorgehensweise versteht und sie systematisch anwenden kann, hat Methodenkompetenz. So lassen sich bestimmte Aufgaben trotz fehlenden Wissens allein aufgrund der erlernten Methodenkompetenz lösen. 

4. Urteilskompetenz

Die Urteilskompetenz besteht darin, Informationen gegeneinander abwägen zu können und dementsprechend gut begründete Entscheidungen zu treffen. Etwas beurteilen können, einschätzen lernen, Pros und Contras sammeln – all das bildet die Urteilskompetenz.

5. Sozialkompetenz

Die Sozialkompetenz ist die komplexeste aller Kompetenzen. In der Schule ist sie allgegenwärtig, denn das Klassenzimmer ist per se ein sozialer Ort. Konkret bedeutet Sozialkompetenz, nicht nur für sich, sondern gemeinsam arbeiten zu können, z. B. in Gruppenarbeiten. Dabei spielt auch Arbeitsteilung eine Rolle und die Bereitschaft, verschiedene Positionen und Hierarchien innerhalb einer Gruppe zu akzeptieren. 

Übrigens: In fachlichen Dingen Kompetenz zu demonstrieren und die eigene Inkompetenz zu akzeptieren, wenn man etwas (noch) nicht kann – auch das ist Teil von guter Sozialkompetenz.

Es ist gewiss kein leichtes Unterfangen, all diese Kompetenzen bei allen deinen SuS permanent im Blick zu behalten und zu fördern. Damit du dennoch gut gerüstet bist, haben wir drei Unterrichtsmaterialien für dich zusammengestellt, die dir den schulischen Kompetenzerwerb näher bringen werden.

Unterrichtsmaterialien zum Thema Kompetenzen

Das Lerndorf

“It takes a village to raise a child” (afrikanisches Sprichwort)

[alt: Das Cover des eBooks “Das Lerndorf” über die Kompetenzentwicklung in der Grundschule.]

In der Grundschule steht der Erwerb von sozialen Kompetenzen besonders im Fokus. Auch individuelle Lernziele sind hier keine Neuheit, sondern etwas Wohlbekanntes. Das eBook  LERNDORF des AOL-Verlags ist ein neuer Ansatz, um die verschiedenen Kompetenzen im Grundschulalter miteinander zu vernetzen. So wird die Entwicklung der einzelnen SuS genau festgehalten und gemeinsam reflektiert. Am Ende entsteht ein festes soziales Netz. Ein Dorf, in dem sich jeder wohlfühlen und angenommen fühlen kann. 

Einführung mit Zusatzmaterial

Der LERNDORF-Ratgeber führt Sie in den Aufbau und die praktische Arbeit mit dem LERNDORF ein und nimmt Sie mit auf eine Tour durch das Dorf. Hier werden Ihnen alle Lernhäuser mit den entsprechenden Kompetenzrastern vorgestellt, sodass Sie einen Überblick über sämtliche fachlichen und überfachlichen Kompetenzen erhalten, die Ihre Schüler im Laufe der Grundschulzeit erwerben sollten. Mit dem Ratgeber erhalten Sie alle LERNDORF-Unterlagen als Komplettpaket: Sie erhalten das komplette Schülerlogbuch sowie eine editierbare Version des Logbuchs im Zusatzmaterial. Im Schülerlogbuch dokumentieren Sie fortlaufend die erreichten Kompetenzen. Sie können das Logbuch als Gesprächsgrundlage für Reflexionen mit Schülern, Kollegen und Eltern und als Planungsgrundlage für die nächsten individuellen Lernziele und -schritte nutzen. Das Zusatzmaterial bietet Ihnen zudem das Posterset im Großformat sowie eine Logbuch-Planungshilfe für den Unterricht, Logbuch-Klassenlisten und Blanko-Kompetenzraster. Mit dem LERNDORF für die kompetenzorientierte Grundschule erhalten Sie ein ausgereiftes und leicht einsetzbares Instrument, das Ihnen bei der Unterrichtsplanung und bei der Vermittlung, Dokumentation und Reflexion der Kompetenzen Ihrer Schüler hilft. Das LERNDORF repräsentiert alle Lernstationen, die ein Kind in seiner Grundschulzeit durchläuft. Ihre Schüler "wandern" durch das Dorf, besuchen verschiedene Lernhäuser und erwerben dort die Kompetenzen, die sie ihrem Lernstand nach in der jeweiligen Jahrgangsstufe und in jedem Fach benötigen. Im Inneren der Lernhäuser befinden sich Kompetenzraster, die die Teilkompetenzen für das jeweils relevante Lernthema auflisten. Sie sind nach Jahrgängen gestaffelt, sodass Sie das Raster für die gesamte Schulentwicklung Ihrer Schüler nutzen können. Alle Kompetenzen orientieren sich an den Bildungsstandards. Sie können das LERNDORF für sich in Ihren Fächern oder auch als Schulteam in allen Fächern einsetzen.

Didaktik-Methodik | Grundschule | 1-4 Klasse | 9 Seiten | AOL

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Selbstreguliertes Lernen

Kompetenzen setzen eine aktive Rolle des Lernenden voraus, während die Aneignung von Wissen auch etwas Passives, Einseitiges haben kann. Das selbstregulierte Lernen geht davon aus, dass sich Kompetenzen durch eine regelmäßige Reflektion des eigenen Lernprozesses generell besser entwickeln. Das Fachwort dafür lautet Metakognition.

In diesem eBook des Auer-Verlags werden Strategien vorgestellt, die selbstreguliertes Lernen bei deinen SuS ermöglichen. So lassen sich deine SuS aus ihrer – oft vorherrschenden – Rolle der reinen Konsumenten von Bildung herauslösen und werden aktiver Teil ihrer eigenen Entwicklung.

Einführung

Wie leite ich meine Schüler/-innen dazu an, sich selbstständig Wissen zu erarbeiten? Wie können meine Schüler/-innen ihre Lernprozesse optimieren? Wie kann ich meine Schüler/-innen bei der Organisation ihres Lernalltags unterstützen? Die vorliegende Publikation unterscheidet sich ganz klar von den meisten Veröffentlichungen zum Thema "Lernen lernen". Sie bietet Ihnen als Lehrkraft an weiterführenden Schulen Ideen zur Vermittlung metakognitiver Strategien, die einen wesentlichen Bestandteil selbstregulierten Lernens darstellen. Für Ihre Unterrichtsgestaltung erhalten Sie mit diesem Buch konkrete Hilfestellungen: - Wissenschaftliche Erkenntnisse zum selbstregulierten Lernen werden gewinnbringend und für Ihre Schüler/-innen verständlich aufbereitet und lassen sich problemlos und effektiv in den täglichen Unterricht integrieren. - Sie erhöhen Ihre Unterrichtsqualität, die Methodenkompetenz betreffend, nicht länger nur auf "gut Glück", sondern gestalten Ihren Unterricht auf der Basis gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse innovativ. - Lernende werden in Bezug auf die Schlüsselqualifikation der Methodenkompetenz wissenschaftsgeleitet und somit optimal auf die Erfordernisse veränderter Gesellschaftsstrukturen vorbereitet. Darüber hinaus eignet sich das Werk hervorragend für Studierende (Lehramt an weiterführenden Schulen), die sich grundlegend über selbstreguliertes Lernen und die praktische Umsetzung entsprechender Fördermodelle im Unterricht informieren wollen.

Didaktik-Methodik | Sekundarstufe 1 | 5-10 Klasse | 5 Seiten | Auer

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Warum es mehr braucht als Digitalisierung

[alt: Ein Junge sitzt mit einem Notebook an einem Tisch.]
© Tom Werner / DigitaVision

Die neuen Medien verändern das Lernverhalten rapide. Doch welche neuen Kompetenzen gehen damit einher? Diese Frage stellt sich das eBook “Zeitgemäße Bildung in der Schule” des Raabe-Verlags

Denn Digitalisierung bedeutet weitaus mehr als das Anschaffen von Laptops oder Tablets. Die Autorin zeigt auf, welche sozialen Kompetenzen im vernetzten 21. Jahrhundert an Bedeutung gewinnen und zeigt die direkten Folgen für die Schule und das Lernen der Zukunft auf. 

Zeitgemäße Bildung in der Schule

Digitalisierung – dieser Begriff forciert die Bereitstellung von Hard- und Software, die Infrastruktur in Form von flächendeckendem WLAN und stabiler Bandbreite. Es geht um die Anwendung dieser Technologie im Sinne der Kompetenzanforderungen von Bildung in der digitalen Welt. Aber welche Kompetenzen werden für das Lernen im 21. Jahrhundert benötigt. Die Antwort erhalten Sie in diesem Beitrag und erfahren anhand des Konzepts Schule im Aufbruch, wie diese Kompetenzen vermittelt werden können.

Didaktik-Methodik | Grundschule | 1-13 Klasse | 12 Seiten | Raabe

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