Raus aus der Kreidezeit: Das interaktive Whiteboard in der Unterrichtspraxis

Georg Grob Veröffentlicht am
34. Whiteboard

Sie heißen SmartBoard, ActivBoard oder CleverBoard und haben stets eine berührungsempfindliche Projektionsfläche gemeinsam. Die „interaktiven Weißwandtafeln“, wie ihr offizieller Name lautet, sind derzeit auf Erfolgskurs, die Schulen aus der „Kreidezeit“ zu führen. Die meisten Lehrerinnen und Lehrer dürften schon einmal auf T(o)uchfühlung mit der virtuellen Tafel gegangen sein.


Doch was in der Theorie nach dem interaktiven „Unterricht 2.0“ klingt, bereitet vielen Pädagoginnen und Pädagogen derweil noch Kopfschmerzen. Denn genau wie die Tafel 1.0 eigne sich das interaktive Whiteboard in erster Linie für den klassischen Frontalunterricht — mit den modernen Lehrmethoden hat das wenig gemein.


Nichtsdestotrotz scheint das interaktive Whiteboard inzwischen zu den Grundfähigkeiten der modernen Lehrkraft zu gehören. Es stellt sich unweigerlich die Frage, auf welche Weise sich die Technik mit neuen Lehrstandards verbinden lässt. Hinter der weißen Fläche verbirgt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Einsatzmöglichkeiten. Mit der richtigen Software ausgestattet sind interaktive Whiteboards weit mehr als konventionelle Tafeln mit technischen Hindernissen.

Vieles ist möglich — aber was ist sinnvoll?

Auf seinen drei bis vier Quadratmetern ist das interaktive Whiteboard ein Multitalent. Mit den Möglichkeiten eines Computers ausgestattet, können Sie zwar Ihre gewohnten Programme nutzen, sei es die Textverarbeitung, die Bilderverwaltung oder der Internetbrowser. Allerdings sind diese für die Verwendung im Unterricht weniger geeignet, da sie sich mit den Eingabemöglichkeiten des Whiteboards nur umständlich und zeitaufwändig nutzen lassen. So könnten Sie beispielsweise mit den Stiften nicht direkt in die Eingabezeile Ihres Browsers schreiben, sondern müssten auf eine Bildschirmtastatur zurückgreifen.

Aus diesen Gründen liefern die Hersteller in der Regel eigene Software zu Ihren Produkten. Mit dieser lässt sich das Whiteboard im den Unterricht integrieren: Sie können Tafelbilder erstellen, bearbeiten und speichern, außerdem lassen sich sämtliche Multimedia-Dateiformate abspielen. Das in Heimarbeit vorbereitete Tafelbild können Sie auf Abruf erscheinen lassen. Und die auf dem Whiteboard festgehaltenen Diskussionsergebnisse können Sie wiederum nach Hause nehmen, um sie für die nächste Unterrichtsstunde aufzubereiten.

Eine besonders praktische Eigenschaft der interaktiven Whiteboards ist, dass sie einzelne Stifteingaben gruppiert erfassen: In der Praxis können Sie somit gesammelte Notizen mit wenigen Gesten neu anordnen — beispielsweise wenn es darum geht, Argumente zu einem Standpunkt zu sortieren.

Whiteboard-Anwendungen aus dem Internet

Um die Möglichkeiten des interaktiven Whiteboards auszuschöpfen, können Sie von den vielen Anwendungen Gebrauch machen, die mittlerweile für Whiteboards zur Verfügung stehen. Die jeweiligen Hersteller haben um ihre Produkte Plattformen aufgebaut, auf denen Lehrerinnen und Lehrer selbstentwickeltes Whiteboard-Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen. Dort haben Sie kostenlosen Zugriff auf eine Vielzahl von Anwendungen, darunter 3D-Modelle für den Biologieunterricht, Vokabelspiele für mehrere Fremdsprachen oder Grafikprogramme für den Mathematikunterricht.

Diese interaktiven Anwendungen können eine sinnvolle Ergänzung in Ihrem Unterricht sein. Wenn Sie in einer Chemiestunde komplexe Molekülstrukturen erklären, dann können dreidimensionale Computermodelle Sachverhalte für Schülerinnen und Schüler einfacher erfassbar machen. Und für Sie als Lehrkraft bringt die Technik einen weiteren Vorteil mit sich: Durch den Einsatz von interaktiven Whiteboards könnten Lehrerinnen und Lehrer — sofern den Herstellern Glauben zu schenken ist — täglich zwei Arbeitsstunden einsparen.

Weniger ist mehr

Sie sollten jedoch vermeiden, in Ihrer Unterrichtsgestaltung allein auf das Whiteboard zurückzugreifen. Die Faszination an der neuen Technologie mag kurzfristig ein belebender Effekt sein, doch alte Lehrmethoden werden auch durch neue Technologien nicht effektiver. Die Hersteller schwärmen gerne von „unterschiedlichen Kanälen“, die durch die Technologie bei den Schülerinnen und Schülern angesprochen würden, dennoch sind die Interaktionsmöglichkeiten für diese begrenzt: Während Sie als Lehrkraft am Whiteboard Ihre Freude an animierten Rechenaufgaben haben, kann die Konzentration der Schülerinnen und Schüler schnell nachlassen.

Sinnvoller ist der Einsatz des interaktiven Whiteboards hingegen, wenn Sie es nutzen, um kurze Impulse zu geben. Leiten Sie eine neue Unterrichtsreihe mit einem Video oder animierten Grafiken ein. Wenn Sie zwischendurch genauer auf einen Sachverhalt eingehen wollen, dann haben Sie die Möglichkeit zur spontanen Internetrecherche. Im Deutschunterricht lässt sich hervorragend in Texten arbeiten. Und am Ende eines Projektes können Sie gesammelte Stichpunkte zu einem Tafelbild zusammenfügen.

Bei interaktiven Whiteboards gilt die Regel „weniger ist mehr“. Dosiert eingesetzt, können Sie das Interesse der Schüler wecken. Damit Sie in diesen Momenten die Technik im Griff und nicht unnötig Zeit verschwenden, sollten Sie den Umgang mit dem interaktiven Whiteboard in einer Schulung erlernt haben oder sich von einem versierten Nutzer helfen lassen. Wenn Sie sich erst einmal an die neue Technik gewöhnt haben  dann werden Sie auf die vielen verschiedenen Möglichkeiten nicht mehr verzichten wollen.

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