Ganzes Werk • eDidact • von Alexander Geist
Max Frisch – Andorra
Unsere Gegenwart ist geprägt durch den öffentlichen Diskurs um das tatsächliche oder angebliche „postfaktische Zeitalter“. Dieser Diskurs verweist auf die Gefahr, dass Gefühle – und damit zwangsläufig auch Vorurteile, irrationale Gedanken und Vorbehalte – über Reflexion, Vernunft und Argumente gestellt werden und man jenen eine höhere Wahrheit als diesen zuspricht. So ist zu fürchten, dass die Errungenschaften von Humanismus und Aufklärung, von Analyse und Kritik hinter emotional übersteigerter Hysterie zurücktreten. Frischs berühmte Parabel steht in der Tradition der Aufklärung, weshalb eine Auseinandersetzung mit Andorra gerade jetzt von größter Bedeutung ist – gerade auch im Unterricht und dort mit bewusst erzieherischer Absicht. Mag die Handlungskonstruktion auch Ungereimtheiten aufweisen, so ist doch der didaktische Kern des Dramas mit seinem Anspruch, modellhaft die psychologischen und soziologischen Prozesse der Vorurteilsentstehung und einer misslungenen Schuldbewältigung herauszuarbeiten, nach wie vor bedeutsam und gültig. Der Text kann zudem dazu animieren, über das Verhältnis von Literatur und historischer Wirklichkeit zu reflektieren.
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Deutsch
10.-13. Klasse
Sekundarstufe 2
1 Einheiten
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