Die gleichsam spannende, berührende wie tragische Geschichte der beiden Freunde Max Eisenstein und Martin Schulse vor dem Hintergrund des Nazi-Regimes wird die Schülerinnen und Schüler in ihren Bann ziehen. Die Handlung, die sich als Briefwechsel entfaltet, schafft einen intimen Rahmen, der Identifikation und Nacherleben der unfassbaren, mittlerweile historisch anmutenden, in ihrer Aussage aber erschreckend aktuellen Ereignisse ermöglicht. Gerade die zunehmende Fremdenfeindlichkeit, die erschreckende Salonfähigkeit nationalsozialistischen Gedankengutes und nicht zuletzt der langsam einsetzende Mangel an Zeitzeugen machen es dringend ratsam, nach neuen Wegen der Auseinandersetzung mit dem Kapitel des Nationalsozialismus zu suchen. Kressman Taylors „Adressat unbekannt” könnte eine solche Spur bieten, da Geschichte hier personalisiert erfahrbar und nachvollziehbar geschildert wird. Diese Reihe lädt ein, das Thema „Judenverfolgung im Dritten Reich” einmal anders anzugehen.