Vom Studium in den Vorbereitungsdienst: 11 Dinge, an die Lehramtsanwärter jetzt denken sollten

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Wie versichere ich mich während meines Lehramtsreferendariats? Brauche ich jetzt schon einen Dienstunfähigkeitsschutz? Fragen über Fragen warten am Ende des Studiums. Hier 11 Finanztipps vom Experten für angehende Lehrkräfte.

 

Mit Beginn des Vorbereitungsdienstes startet für viele Lehrkräfte nicht nur eine neue berufliche, sondern auch eine veränderte finanzielle Lebensphase. Ebenfalls entstehen Fragen zum eigenen Versicherungsschutz, die zwar häufig eher „trocken“ und „langweilig“ erscheinen, aber dennoch wichtig zu klären sind. Die folgenden elf Tipps sollen für einen perfekt vorbereiteten Start in die Anwärterzeit sorgen.

 

1. Die Dinge „aktiv anpacken“

Auch wenn die Bereiche „Versicherungen und Finanzen“ für viele nicht die interessantesten sind, heißt es hier: Eigenverantwortung übernehmen! Beispielsweise kann die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Krankenversicherung zu einem späteren Zeitpunkt häufig nicht mehr geändert werden. Werden Sie daher initiativ und versuchen Sie, sich bestmöglich mit dem Thema auseinanderzusetzen! Empfehlungen von Freunden, Kommilitonen und Familienangehörigen sowie die Recherche im Internet bieten häufig gute Informationen. Beachten Sie aber bitte, dass jede Ausgangssituation individuell ist und daher kein Produkt oder Anbieter pauschal für jeden geeignet ist.

 

2. „Bestandserhebung“ mit den Eltern

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Während der Studienzeit werden in vielen Fällen noch einige Entscheidungen von den Eltern getroffen. Auch bei gewissen Versicherungen genießt man während des Studiums noch Schutz über den elterlichen Vertrag. Gelegentlich waren die Eltern auch im Bereich „Vorsorge“ schon aktiv. Setzen Sie sich daher mit ihren Eltern an einen Tisch und klären Sie gemeinsam, ob und welche Versicherungen und Sparverträge oder -konten für Sie bereits bestehen. Eine doppelte Absicherung ist nicht notwendig und verursacht nur zusätzliche Kosten!

 

3. Nutzen Sie Hilfe

Wie bereits erwähnt, sind Tipps und Empfehlungen von Bekannten oder Verwandten sowie entsprechende Informationen aus dem Internet häufig sinnvoll und gut. Dennoch hat jeder seine individuelle Ausgangssituation mit eigenen Wünschen und Zielen. Da diese für die Auswahl einzelner Produkte entscheidend sind, seien Sie bei pauschalen Äußerungen bitte entsprechend kritisch. Nutzen Sie die Hilfe eines unabhängigen Fachmanns. Ein Makler hat hier beispielsweise die Möglichkeit, den gesamten Markt für Sie zu vergleichen und ist zudem verpflichtet, Ihnen persönlich geeignete Lösungen vorzuschlagen.

 

4. Die Wahl der „richtigen“ Krankenversicherung

Durch den „Beihilfeanspruch“, den man während des Vorbereitungsdienstes als „Beamter oder Beamtin auf Widerruf“ in den meisten Bundesländern hat, besteht in der Regel die Möglichkeit, sich zu Beginn zwischen dem gesetzlichen oder privaten Krankenversicherungssystem zu entscheiden. Wer bereits zuvor privat krankenversichert gewesen ist, kann zu diesem Zeitpunkt im Normalfall jedoch nicht in das gesetzliche System wechseln. Zuvor gesetzlich Krankenversicherte haben keinen Anspruch, von einer privaten Versicherung aufgenommen zu werden (beispielsweise bei bestehenden Vorerkrankungen). Zwar können neben den monatlich häufig geringeren Beiträgen (bedingt durch den Beihilfeanspruch) zahlreiche weitere Punkte für einen privaten Anbieter sprechen. Unter gewissen Umständen ist jedoch das gesetzliche System für einige Anwärter(innen) geeigneter. Da sich auch die Leistungen der einzelnen Anbieter und Kassen teilweise erheblich unterscheiden, gehen Sie das Thema so früh wie möglich an, um ausreichend Zeit für die Entscheidung zu haben, welches System (gesetzlich oder privat) und welcher Anbieter zu Ihnen passt.

 

5. Ein passender Dienstunfähigkeitsschutz

Da die gesetzlichen Versorgungsleistungen im Fall einer Dienstunfähigkeit in der Regel nicht ausreichen, um den gewünschten Lebensstandard zu sichern, empfiehlt sich in den meisten Fällen der Abschluss einer Dienstunfähigkeitsversicherung. Das Risiko, in jungen Jahren aus gesundheitlichen Gründen dienstunfähig zu werden, ist zwar recht gering. Die Wahrscheinlichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt aufgrund bestehender Vorerkrankungen den gewünschten Schutz nicht mehr zu erhalten, dennoch recht hoch. Da die zu zahlenden Beiträge von dem Eintrittsalter und Gesundheitszustand abhängig sind, zählt daher: je jünger und gesünder, umso günstiger! Da es auch hier massive Qualitätsunterschiede der unterschiedlichen Anbieter gibt, ist ein Vergleich empfehlenswert. Dieser sollte neben den Beiträgen vor allem die Leistungen gegenüberstellen.

 

6. Privat- und Diensthaftpflichtschutz – wer benötigt was?

Neben der Kranken- und Dienstunfähigkeitsversicherung zählt die Haftpflichtversicherung zu den dringend erforderlichen Absicherungsbausteinen. Bei den meisten Anbietern endet der Schutz im Vertrag der Eltern „mit Abschluss der beruflichen Erstausbildung“. Bei einigen Gesellschaften zählt der Vorbereitungsdienst noch zur Erstausbildung, bei anderen endet diese mit dem ersten Staatsexamen. Klären Sie daher ab, ob schon ein eigener Vertrag benötigt wird oder die Mitversicherung noch zählt. Sollte ein gemeinsamer Haushalt mit dem Freund, der Freundin oder dem Ehegatten bestehen, können beide über einen Partnertarif abgesichert werden.

Für Haftungsfälle, die während des Schulalltages entstehen können, empfiehlt sich eine „Diensthaftpflichtversicherung“. Diese kann bei vielen Gesellschaften als zusätzlicher „Baustein“ gegen einen geringen Mehrbeitrag in die Privathaftpflichtversicherung eingeschlossen werden. Bei einzelnen Gewerkschaften kann ein Diensthaftpflichtschutz schon durch die Mitgliedschaft bestehen.

 

7. Der „richtige Zeitpunkt“ zum Vermögensaufbau

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Auch wenn die Anwärterbezüge häufig wenig Spielraum zum Sparen lassen, ist es sinnvoll, sich ab dem ersten Geldeingang mit dem eigenen Vermögensaufbau zu beschäftigen. Überlegen Sie, welchen Betrag Sie wirklich zwingend benötigen und sparen Sie jeden möglichen Cent gleich zu Monatsanfang – von Anfang an! Legen Sie zu Beginn ruhig einen sehr hohen Sparbeitrag fest, um selbst Ihren Bedarf zu testen. Dies hat zur Folge, dass man sich erst gar nicht an das Geld „gewöhnt“ und zügig ein entsprechendes Guthaben aufbauen kann. Sie werden bemerken, dass das Sparen mit der Zeit sogar Spaß machen kann. Achten Sie jedoch bitte darauf, ein „Abrutschen“ in den Disporahmen des Girokontos zu vermeiden, da der Dispozins zu den „teuersten Geldanlagen“ zählt!

 

8. Der „Notgroschen“

Für unvorhergesehene Kosten (wie eine Autoreparatur oder der plötzlich defekte Computer) dient der „Notgroschen“. Hierfür empfiehlt sich ein Tagesgeldkonto, um bei Bedarf schnellstmöglich auf das Guthaben zugreifen zu können. Mit einer festen monatlichen Sparrate (als Dauerauftrag oder Einzug) sollten hier ein bis zwei Monatsbezüge angespart werden. So verführerisch die Reserve auch häufig scheint, disziplinieren Sie sich und greifen Sie wirklich nur im Notfall darauf zurück!

 

9. „Ab in den Urlaub“

Der Vorbereitungsdienst ist eine sehr anspruchsvolle, anstrengende und damit kräftezehrende Zeit! Gönnen Sie sich daher mindestens einmal im Jahr einen Urlaub. Diese Zeit lädt den Akku wieder auf und bringt Kraft und Motivation für die künftigen Aufgaben. Planen Sie hierfür ein festes Urlaubsbudget ein, das sie auf einem weiteren Tagesgeldkonto – ihrem „Urlaubskonto“ – ansparen. Wer beispielsweise 600,00 Euro für seinen Jahresurlaub benötigt, erreicht dies mit einer monatlichen Sparrate von 50,00 Euro, bei 900,00 Euro Urlaubskosten sind folglich 75,00 Euro pro Monat auf das „Urlaubskonto“ zu zahlen. Somit ist garantiert, dass die Zeit genossen werden kann und Sie sich keine Gedanken über die Finanzierung machen müssen.

 

10. Geschenke nicht verschenken: die „vermögenswirksamen Leistungen“

In nahezu jedem Bundesland stehen den Anwärtern „vermögenswirksame Leistungen“ in Höhe von 6,65 Euro pro Monat zu. Diese müssen jedoch zum einen meist separat beantragt werden und werden zum anderen nicht mit den monatlichen Anwärterbezügen auf das Girokonto überwiesen, sondern in einen entsprechenden „förderfähigen Vertrag“ (dies kann ein Bausparvertrag oder Aktienfondssparplan sein). Durch die Höhe des Einkommens besteht in der Regel zusätzlich noch Anspruch auf die „Arbeitnehmersparzulage“. Diese beträgt 9% (bei Bausparverträgen) bzw. 20% (bei Aktienfondssparplänen) auf eine maximal jährliche Sparleistung von 470,00 bzw. 400,00 Euro. Daher kann es sinnvoll sein, die 6,65 Euro mit einem Eigenanteil aufzustocken. Auch wenn der Betrag nicht sonderlich hoch scheint, sollten Sie es sich nicht entgehen lassen.

 

11. Von Anfang bis Ende

Für die meisten Anwärter ist der Vorbereitungsdienst gleichbedeutend mit dem Einstieg in das Berufsleben. Dennoch ist es sinnvoll, sich von Anfang an direkt auch mit der „Zeit danach“ zu beschäftigen. Eine private Altersvorsorge wird zunehmend wichtiger und dient dazu, finanzielle Einbußen im Alter zu kompensieren und unabhängiger von gesetzlichen Vorgaben zu sein. Der Faktor „Zeit“ ist durch den Zinseszinseffekt beim langfristigen Sparen und Vermögensaufbau kaum zu ersetzen. Aus diesem Grund und der Tatsache, dass Thema „Altersvorsorge“ lebensbegleitend zu begreifen, ist es empfehlenswert, von Anfang an einen gewissen Anteil für den Ruhestand zu sparen. Die Anzahl von Altersvorsorgeprodukten ist schier unbegrenzt – daher ist auch hier eine Beratung und Aufklärung über Vor- und Nachteile äußerst sinnvoll und empfehlenswert.

 

Über den Autor:

Florian Nethe ist Gründer und Leiter von LEHRER-FINANZEN.DE. Von dem Wirtschaftsmagazin €uro wurde er in den Jahren 2013 und 2015 als einer der besten 100 Finanzberater Deutschlands ausgezeichnet.

Über LEHRER-FINANZEN.DE:

Die Website www.lehrer-finanzen.de bietet unabhängige und objektive Informationen rund um die Themen Absicherung, Vorsorge und Vermögensplanung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit spezialisierten und unabhängigen Beratern. (Angehenden) Anwärtern wird mit dem „Anwärter-Check“ (www.lehrer-finanzen.de/anwaerter_check) die Möglichkeit geboten, sich kostenfrei und unverbindlich beraten zu lassen – wahlweise in Form eines Onlinegespräches, telefonisch oder vor Ort. Der Service wird bundesweit angeboten.

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