Spielend Programmieren lernen?!

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Die Lernplattform openHPI des Hasso Plattner Instituts bietet einen Programmierkurs für Schüler an –  5 Fragen an Prof. Dr. Martin von Löwis.

 

Ob am Arbeitsplatz oder im Privatleben: Wir sind umgeben von Computern, sei es das allgegenwärtige Smartphone oder die neue Waschmaschine mit Zeitsteuerung. Doch je einfacher und selbstverständlicher der Umgang wird, desto schwieriger wird es, die zugrundeliegenden Prozesse zu durchschauen. Computer nehmen uns nicht nur Arbeit ab, sie erfordern auch neue Kompetenzen. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist daher die „digitale Welt“ auch die „hauptsächliche Herausforderung“ bei der Anpassung zukünftiger Lehrpläne an den modernen Alltag, wie sie kürzlich in ihrem  Podcast verlauten ließ.

Prof. Dr. Martin von Löwis hat nicht nur das erste deutsche Buch über die Programmiersprache Python geschrieben, sondern auch zusammen mit dem Hasso Plattner Institut in Potsdam bereits zahlreiche Programmierkurse für Kinder und Jugendliche abgehalten. Jüngst fand auf der offenen Lernplattform openHPI ein erstes Onlineseminar für Schüler statt, dessen Ressourcen Interessierten weiterhin hier zum Selbststudium zur Verfügung stehen. Wir haben ihm fünf Fragen zum Kurs und zum Programmieren mit Kindern gestellt. 


Wie kam es zu der Idee für den Kurs?

Von Löwis: Bevor ich Professor an der Beuth-Hochschule wurde, habe ich am Hasso-Plattner-Institut (HPI)  promoviert und dort auch viele Jahre Programmieren unterrichtet. Das HPI gehörte im Sommer 2012 zu den ersten europäischen Anbietenr von Massive Open Online Courses (MOOCs). Mich hat die Idee, Lehrangebote auf diese Art zu skalieren, von Anfang an fasziniert. Gemeinsam mit Prof. Christoph Meinel, dem Institutsdirektor des HPI, haben wir überlegt, wie wir Programmierkurse aus dem Klassenraum in den Internetbrowser bekommen. Ich sah zwei mögliche Zielgruppen: Erwachsene und Jugendliche. Ich glaube, dass diese Gruppen verschiedene Motivationen und Herangehensweisen haben, und dass der Kurs sich deshalb schwerpunktmäßig auf eine der Gruppen konzentrieren sollte. Wir kamen überein, die Schüler als Zielpublikum zu wählen.

 

Für welche Altersgruppen ist der Kurs geeignet?

Von Löwis: Untersuchungen in anderen Kursen haben gezeigt, dass Kinder ab neun Jahren schon Programmieren lernen und ab zwölf Jahren bei einem Einführungskurs mit Erwachsenen mithalten können. Wir richten uns an Schüler ab 11 Jahren. Jugendliche, die an ihrer Schule schon Programmieren gelernt haben, sind in dem Kurs vermutlich unterfordert, bzw. können ihn mit wenig Anstrengung bewältigen.


Untersuchungen […] haben gezeigt, dass Kinder ab neun Jahren schon Programmieren lernen und ab zwölf Jahren bei einem Einführungskurs mit Erwachsenen mithalten können


Kann jeder Programmieren lernen?

Von Löwis: Es sind ein paar Grundfertigkeiten nötig, z.B. muss man Lesen und Schreiben können sowie eine Tastatur bedienen. Die meisten Menschen könnten bestimmt Programmieren lernen. Allerdings ist es wie bei vielen anderen Tätigkeiten: Der eine lernt es schneller und der andere langsamer. Spaß macht es vor allem dann, wenn man auch Erfolg hat. Man sollte deshalb nicht schnell aufgeben, nur weil gerade am Anfang der sichtbare Erfolg sich vielleicht langsamer als erwartet einstellt.

 

Warum kann es sinnvoll sein, Programmieren zu lernen – auch wenn man  vielleicht beruflich etwas ganz anderes machen will?

Von Löwis: Kaum ein Beruf kommt heutzutage ohne Computer aus. Programmieren zu können bedeutet, auch zu verstehen, was man vom Computer erwarten kann und was nicht. Mit Programmiererfahrung wird man also als Anwender den Computer effizienter nutzen lernen. Zudem gibt es in vielen Berufen Aufgaben, die einen Programmierer erfordern und nicht erledigt werden können, wenn keiner zur Hand ist. Zum Beispiel könnten Ärzte ihren Aufwand bei der Praxis-Verwaltung reduzieren und Lehrer könnten Schülern Selbstlerntests zur Verfügung stellen – so wie unser openHPI-Kurs es ja auch tut.

 

Mit Blick auf Ihre bisherige Arbeit mit Schülern in Präsenzveranstaltungen: Welche (positiven/negativen) Überraschungen haben Sie erlebt?

Von Löwis: Das immer wieder positiv Überraschende ist die Begeisterung, mit der die Schüler ans Programmmieren herangehen. Anders als bei Erwachsenen gibt es für sie oft keine äußere Verpflichtung, eine Aufgabe zu lösen – es kommt alles aus innerem Antrieb. Schwierig war in der Vergangenheit manchmal die Aufnahmefähigkeit nach einem langen Schultag, gerade in den höheren Klassenstufen. Die Schüler waren teilweise ziemlich müde, wenn sie zum Kurs gekommen sind, wollten aber dann trotzdem unbedingt teilnehmen. 

Prof. Dr. Martin von Löwis

Prof. Dr. Martin von Löwis

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