Nur mit Laptops zu mehr Bildung?

Evgenia Danilevic Veröffentlicht am
11. One Laptop der Child

Während in Deutschland die Diskussion um die richtige Nutzung von Computern, Smartphones und neuer Medien in der Schule noch in vollem Gange ist, stand für das Projekt One Laptop Per Child von Anfang an fest, dass neue Technologien zu mehr Bildung beitragen können.


Bedienung so einfach wie gehen und sprechen

Ohne strukturelle Probleme zu beachten (in manchem Dörfern gab es noch nie eine dauerhafte Stromversorgung) beschlossen die Macher des Projekts One Laptor Per Child also, günstige Laptops mit einer Grundausstattung an Programmen an Kinder in ärmeren Regionen der Welt zu verteilen. Das Lernen des Umgangs mit einem Computer sei, so Nicholas Negropone, eher mit dem Erlernen von Gehen und Sprechen zu vergleichen, passiert also ganz von selbst und ohne Anleitung von außen. Die weitreichende Vorstellung dabei ist, dass Kinder durch die Entdeckung der Möglichkeiten der Computer zu weiterem selbständigen Lernen angeregt und ihre Bildung selbständig fortsetzen und erweitern werden. Die Rolle der Technologie in diesem Szenario ist somit nicht nur die Möglichkeit zur Bildung zur Verfügung zu stellen, sondern auch die Motivation und die Begeisterung der Kinder zu wecken.

Eine Lösung für alle Probleme?

Doch sind es nicht zu viele Erwartungen, die in einen einfachen Laptop gesetzt werden? Negropone stellt richtig heraus, dass Kinder unsere wichtigste natürliche Ressource sind. Sie sind diejenigen, die die Welt in einigen Jahrzehnten neu gestalten werden und somit ist Bildung eines der wichtigsten Anliegen einer Gesellschaft. Doch versprüht die Idee einen kolonialistischen Geist. Machen es sich die Macher des One Laptop Per Child nicht zu einfach, indem sie die in reichen westlichen Gesellschaften entwickelten Geräte teilweise buchstäblich vom Himmel abwerfen und den Rest den Menschen vor Ort überlassen? Negroponte erwähnt zurecht, dass die Lehrer und Lehrerinnen in vielen Regionen gegen das Vorhaben waren, was nicht überrascht. Ihnen selbst fehlen häufig die nötigen Kenntnisse, um die Kinder anzuleiten, das Projekt droht somit auch, die Lehrer überflüssig zu machen, wenn es die Bildung ganz den Kindern selbst überlässt. One Laptop Per Child bietet eine Lösung für die ganze Welt an, unabhängig von kulturellen, gesellschaftlichen und strukturellen Faktoren. Es ist der Versuch, weitere Teile der Welt zu vernetzen, aber mit vorgegebenen Programmen und nach vorgegebenen Mustern, die von Experten der reichen Länder entwickelt wurden. Aus der technischen Sicht scheint es machbar, doch die Frage ist, ob das der richtige Weg sein kann. 

Studie zeigt: der Erfolg stellt sich nicht ein

Die Zeit hat gezeigt, dass die großen Hoffnungen, die in die Macht der Technologie gesetzt wurden, leider nicht wahr werden konnten. Der erwünschte Erfolg, gemessen anhand von im Westen üblichen Standards wie Rechnen und Schreiben sowie Anwesenheit in der Schule, blieb leider aus. Eine Studie der Inter-American Development Bank an 319 Grundschulen in Peru stellte fest, dass die Ausstattung der Kinder mit Laptops kaum merkliche Veränderungen mit sich brachte. Zwar nutzen die Kinder häufiger als andere den Laptop und verbrachten mehr Zeit mit den Programmen, sie besuchten jedoch nicht regelmäßiger als andere die Schule und vor allem zeigten sie nicht mehr Motivation für das Lernen als kinder, die nicht an dem Programm teilnahmen. Auch schnitten sie weder in sprachlichen Tests noch in mathematischen Aufgaben besser ab, als andere Kinder.

Technologie allein kann keine Lösung bieten 

Was kann man also mitnehmen von diesem engagierten und gut gemeinten, aber offenbar misslungenen Versuch, die Bildung in ärmeren Regionen der Welt voranzutreiben? Zunächst wird deutlich, dass Technologie nicht das Allheilmittel gegen alle Probleme ist. Technologie kann ein Mittel und eine Anregung sein, jedoch ersetzt sie wohl nicht eine gute und motivierte Lehrerperson. Es reicht offenbar nicht, nur die Geräte zur Verfügung zu stellen, auch reicht es nicht, westliche Vorstellungen ohne einen näheren Blick auf die Umstände in den entsprechenden Ländern zu werfen, zu etablieren. Jede Region, jedes Land und jede Kultur haben nicht nur ihre eigenen Umstände, sondern auch ihre eigenen Vorstellungen von Kindheit, Schule, Lernen und dem Leben. Da erscheint es teilweise mindestens als unangebracht, zu behaupten, dass ein Laptop der Weg zu einer besseren Zukunft der Kinder sein kann. „Ältere“ Methoden, wie eine bessere Ausbildung der Lehrer und Lehrerinnen, der Bau neuer Schulräume und die Verkleinerung der Klassen für eine bessere Betreuung erscheinen mit Blick auf die erwähnte Studie eher sinnvoll.

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