Inklusive Schule: eine Leseliste

Georg Grob Veröffentlicht am
32. Inklusion

Im Jahr 2009 trat in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention  in Kraft. Behinderten Menschen steht damit eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu – von „Inklusion“ ist die Rede. Besonders die Schulen stehen dabei im Mittelpunkt, es geht um die Frage, wie behinderte Schüler langfristig der Besuch von Regelschulen ermöglicht wird.

Sechs Stimmen, sechs Standpunkte. Ein Rundumblick auf das Echo in den Medien zeigt, dass in der Debatte über die Inklusive Schule sehr unterschiedliche Auffassungen aufeinander treffen. In den Kommentarspalten sorgt das Thema für lebendige Diskussionen. Wir haben einige Standpunkte zusammengetragen.

ZEIT online: Gemeinsam anders

„Wie schafft man den Übergang zu einem Schulsystem, in dem vom geistig Zurückgebliebenen bis zum Hochbegabten alle in einem Klassenraum lernen? Und bleibt in einer Schule für alle nicht doch zwangsläufig etwas auf der Strecke, die spezielle Förderung des Einzelnen zum Beispiel oder die Bildungsqualität für jeden Schüler? Antworten auf diese Fragen sind besonders für Deutschland interessant. Denn hier verfolgt man bis heute die Philosophie der wohlmeinenden Separation.“

Während wir in Deutschland über Jahrzehnte ein differenzierendes Schulsystem aufgebaut haben, ist in Italien die Inklusion schon lange eine Selbstverständlichkeit. Es wird deutlich, wie sehr Eltern behinderter Kinder zu schätzen wissen, dass Ihre Kinder die Möglichkeit haben, nicht in einer eigenen Welt aufwachsen zu müssen. Allerdings auch, dass es viel Einsatz braucht, ein inklusives Schulsystem zu etablieren.

Paul Tresselt: Inklusion und gemeinsamer Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülern

„Irgendwie wird den Lehrerinnen und Lehrern die Inklusion aufs Auge gedrückt, obwohl die Voraussetzungen noch nicht geschaffen sind. […] Notwendig wären mehr Lehrer, kleinere Lerngruppen und eine entsprechende Ausstattung. Alles kostet natürlich viel Geld, das das Land oder die Schulträger nicht investieren wollen, aber Inklusion bedeutet nun mal Investition!“

Paul Tresselt, „Internetberater für Lehrer, Lehramtsanwärter und Schulleiter“, wirft einen kritischen Blick auf die Ziele der Landesregierung Nordrhein-Westfalens, als erstes Flächenland seine Schulen zur vollständigen Inklusion zu verpflichten. Dabei lässt er Lehrer zu Wort kommen und Zahlen sprechen.

FAZ.net: Inklusion mit Augenmaß

„Die unterschiedliche Leistungsfähigkeit von Schülern führt zwangsläufig zur Schichtung von Schülern, ganz gleich in welchem System. Schule erzeugt immer Differenz. Das zur Kenntnis zu nehmen, könnte manche Erwartung von Anfang an dämpfen. Doch davon ist die deutsche Debatte weit entfernt.“

Heike Schmoll gibt bisherigen Bemühungen um inklusive Schulen schlechte Noten. Eltern behinderter Kinder würden Förderschulen ohnehin bevorzugen, Schmoll spricht von einem „Zwang zur Gemeinsamkeit“.

Süddeutsche.de: Wenn Lehrer an ihre Grenzen stoßen

„Wenn man mit Lehrern spricht in diesen Tagen, dann berichten sie oft von einem Gefühl, alleine gelassen zu werden – dass sie versuchen, allen ihren Schülern gerecht zu werden. Aber dass sich dann Eltern beschweren, wenn es mit dem Stoff nicht weitergeht. Dass es ja niemandem Spaß macht, in einer Klasse zu sitzen, in der vor lauter Pädagogik das Lernen zu kurz kommt. Und dass es bei allem guten Willen an Hilfe fehlt.“

Nach einem Schuljahr inklusivem Unterricht in Bayern verfasst Stephan Handel eine Bestandsaufnahme. In 160 Klassen haben Politiker, Psychologen, Lehrer und Eltern Erfahrungen gesammelt. Handel impliziert, dass sich die Akteure mit ihren so unterschiedlichen Standpunkten langsam annähern müssen.

brand eins: Motivierte Leute

„Handicaps im Unternehmen kosten Zeit, Geduld und Geld. […] ‚Aber letztlich‘, mischt sich Knut Schuster ein, ‚ist das ganze Paket für uns unternehmerisch richtig.‘ […] Nicht zuletzt profitiere man noch aus einem anderen Grund von den Kollegen. ‚Unser Umgang miteinander ist einen Tick rücksichtsvoller und herzlicher geworden‘, sagt Schuster, auch wenn ihm bei der Formulierung nicht ganz wohl zu sein scheint. Klingt zu sehr nach Gutmenschentum.“

Beim Stichwort Inklusion geht es nicht nur um das Schulleben. Was wird aus den Schülern, wenn sie die Schule verlassen? Das Wirtschaftsmagazin brand eins hat einen Blick in Unternehmen geworfen, die auf behinderte Arbeitskräfte setzen. Nebenbei zeigt sich, wie es um Behinderte in der Berufswelt steht.

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