Buchbesprechung: Körpersprache in der schulischen Kommunikation

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Das Buch Körpersprache in der schulischen Kommunikation der Autorinnen Claudia Timpner und Ruth Eckert hilft Lehrerinnen und Lehrern, die eigene Körpersprache sowie die ihrer Schülerinnen und Schüler zu verstehen –  und davon profitiert nicht zuletzt auch der Unterricht.

 

„Der Körper spricht immer mit“ – Die Grundvoraussetzung effektiver Kommunikation

Einer bekannten Studie des Psychologen Albert Mehrabian zufolge, basiert die Wirkung der Kommunikation zu 55 Prozent auf der Körpersprache, zu 38 Prozent auf der Intonation und nur zu 7 Prozent auf dem Inhalt.

In anderen Worten: „Der Körper spricht immer mit“ – und das mehr als nur deutlich.

Mit dieser Erkenntnis führen Claudia Timpner und Ruth Eckert, die als Kommunikationstrainerinnen und Theaterpädagoginnen echte Expertinnen auf diesem Gebiet sind (hier geht es zu ihrer Website), in das Thema Körpersprache im Unterricht ein. Die Grundvorrausetzungen für eine erfolgreiche Kommunikation im Klassenzimmer, insbesondere im Hinblick auf die Vermittlung von Wissen, lautet für sie: Die Körpersprache muss so eingesetzt werden, dass sie die Botschaft, die man vermitteln will, unterstützt.

Der Band gibt zahlreiche Beispiele, wie dies gelingen kann, z. B. indem man sich an die wichtigste Regel eines guten Vortrags hält: Inhalte, die emotional aufgenommen werden, bleiben stärker und länger im Gedächtnis hängen. Emotionen wecken, heißt es also für die Lehrkraft. Zum Beispiel durch eine lebendige und emotionale Stimme, die Anteilnahme und Aufmerksamkeit erzeugt. Oder durch das Ausstrahlen von positiven Gefühlen wie gute Laune, Begeisterung und Freude.
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Der erste Eindruck zählt

Auch die Bedeutung des berühmten ersten Eindrucks wird von den Autorinnen immer wieder unterstrichen. Dazu berufen sie sich unter anderem auf eine faszinierende Studie der Princeton-Universität: Lernen wir eine neue Person kennen, brauchen wir nur 100 Millisekunden, um ein Urteil über sie zu fällen. Blitzschnell scannen wir die uns fremde Person anhand Geruch, Körpersprache und Stimmlage. Dieser einmal entstandene Eindruck lasse sich später zwar zum Teil revidieren – aber dies koste einige Zeit und Mühe.

Besser sei es also, dem eigenen Auftreten vor fremden Leuten – ob beim Vorstellen vor der neuen Klasse oder beim Kennenlernen der Eltern am Elternabend  – viel Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Offene Gesten beim Sprechen helfen beim Kommunizieren

Ein großer Teil des Buches ist der Gestik gewidmet, die alle Bewegungen des Armes, der Hände und des Kopfes umfasst. Die Gestik, so heißt es, ist „die Bildsprache des gesprochenen Wortes.“ Und da sie unserem Gegenüber einen zusätzlichen Sinneskanal anbiete, erhöhe sie bei ihm auch das Verständnis für die Inhalte, die wir transportieren wollen.

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Großen Wert, so betonen die Autorinnen, sollte man auf jeden Fall auf offene Gesten legen. Denn sie wirken einladend, im Gegensatz zu geschlossenen Gesten, die abweisend rüberkommen. Ein „Klassiker“ der offenen Geste seien die beim Sprechen offenen, nach vorne gerichteten Hände. Sie können zum Beispiel signalisieren: Ich tue dir nichts. Oder: Ich habe nichts zu verbergen.

Geschlossene Gesten dagegen solle man vermeiden. Etwa: die Hände in die Hosentaschen vergraben, sie hinter dem Rücken verstecken oder vor der Brust verschränken. Sie können signalisieren: Ich gebe nichts von mir preis.

 

Körpersignale müssen überprüft werden – denn sonst führen sie einen aufs Glatteis

Ein weiteres Kapitel in dem Band dreht sich um Wahrnehmungsfehler und wie wir sie vermeiden können. Einer der bekanntesten ist den Autorinnen zufolge der sogenannte Halo-Effekt. Dieser besagt, dass wir dazu neigen, von einzelnen äußeren Merkmalen auf die gesamte Person zu schließen. Zum Beispiel: Brillenträger sind besonders intelligent.

Um den Halo-Effekt zu vermeiden, helfe es, sich darüber bewusst zu machen, dass Körpersignale unterschiedliche Gründe haben können. Fasst sich ein Schüler im Unterricht unvermittelt an die Nase, müsse das nicht bedeuten, dass er unsicher ist. Es könne auch einfach sein, dass ihm die Nase juckt.

Daher solle man stets den Kontext, in dem ein Körpersignal stattfindet, mit einbeziehen. Reagiert ein Schüler auf eine Frage zum Beispiel mit Rotwerden oder Zittern, könne dies viele verschiedene Gründe haben. Hat er Probleme damit, im Mittelpunkt zu stehen? Ist er in seine Sitznachbarin verliebt? Oder hat er einfach seine Hausaufgaben nicht gemacht? Je mehr man über die konkrete Situation sowie den Menschen in dieser Situation weiß, desto einfacher sei es, sein Verhalten zu verstehen – und falsche Interpretationen zu vermeiden.

 

Mit der richtigen Präsenz im Klassenzimmer geht vieles einfacher

Mit „präsent im Klassenzimmer zu sein“ meinen die Autorinnen: am Geschehen beteiligt, aufmerksam und selbstgewiss zu sein – und dies alles durch die eigene Körpersprache auszustrahlen. Eine gute Präsenz ermöglicht ihnen zufolge ein gutes Klassenklima, verhindert Machtkämpfe – und trägt somit zu einem erfolgreichen Unterricht bei. Zu 100 Prozent sei dies zwar nicht immer und jederzeit möglich. Aber es lasse sich einüben. Dazu finden sich einige gute konkrete Hinweise in dem Buch.

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Unser Fazit

Körpersprache in der schulischen Kommunikation von Claudia Timpner und Ruth Eckert ist strukturiert, verständlich geschrieben und inhaltlich gut durchdacht. Neben einer Einführung, Analyse und konkreten Tipps zu verschiedenen Aspekten von Körpersprache, geben sie auch einen guten Einblick in den Status als Wirkfaktor oder zur Präsenz im Klassenzimmer. Dies alles mischen sie mit vielen konkreten Beispielen und Illustrationen aus dem Schulalltag.

Der Band  ist im Carl-Auer Verlag erschienen und kann hier käuflich erworben werden

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